Kultur : THEATER

RAOUL FISCHER

"Nun wartet mal schön", spricht eine Zuschauerin in die dunkle Stille.Rund 50 Augenpaare starren ein weißes Laken mit schwarzen Punkten an, das von Schwarzlicht seltsam ausgeleuchtet wird.An Seilen befestigt fällt es auf die Bühne und fließt den Zuschauerrängen entgegen."Na endlich", sagt eine Stimme.Nur schwer ist sie einem dunklen Kopf im Knick des Lakens zuzuordnen.Gleich daneben noch ein zweiter.Eine kurze Unterhaltung, dann ertönt ein Gloêkenspiel, die Köpfe verschwinden, und die Zuschauer warten wieder.Bei der Inszenierung von Samuel Becketts "Warten auf Godot" im Theater am Halleschen Ufer wird viel gewartet.Schon beim Warten auf den Einlaß beschleicht einen der leise Verdacht, daß das Publikum in die Handlung einbezogen werden soll.Was das Orphtheater dann in der Regie von Susanne Truckenbrodt auf die Bühne bringt, ist äußerst beeindruckend.Matthias Horn als Pozzo / Estragon und Uwe Schmieder als Lucky / Wladimir ziehen derart in das Geschehen hinein, daß man keine Sekunde versucht ist, auf die Uhr zu sehen.Aber was geschieht eigentlich? Ein Pierrot tanzt in großen Gesten, ein Sandträger zieht seine Kreise, Szenenwechsel: "So ist die Zeit vergangen." - "Sie wäre sowieso vergangen." - "Aber langsamer!" - "Wir warten auf Godot." Zeit wird auf hohem Niveau tot geschlagen, eigentlich geschieht nichts.Zwei Landstreicher ringen miteinander, trennen sich, sehen sich wieder und werden von der Verzweiflung gepackt: "Komm, wir gehen." - "Wohin?".Musik wechselt mit Stille, Schweigen mit hysterischem Schreien: Beêkett ist nicht Beckett.Fragen tauchen auf, bleiben stehen und verschwinden wieder.Was verbindet die beiden miteinander, woher kommen sie, wohin gehen sie? Leider stand dieses Ereignis nur bis zum 28.Februar auf dem Plan.Nun müssen die Zuschauer wieder warten: auf die nächste Inszenierung des Orphtheaters.

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