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Theaterfestival : Aktien und Aktionen

08.07.2012 00:00 Uhrvon
Stilexzentriker. Die Band Faith No More beim Auftritt am Malta-See. Foto: Maciej ZakrzewskiBild vergrößern
Stilexzentriker. Die Band Faith No More beim Auftritt am Malta-See. Foto: Maciej Zakrzewski

Polen nach der EM: Das Malta-Festival in Posten bringt grenzenlos globales Theater in die Stadt.

Auf dem Plakat am Bahnhof steht „Feel like at home“. Lachende Fußballfans sind darauf zu sehen, geschminkt in den Farben ihrer jeweiligen Nation. Englische Gesichter, spanische, polnische. Das Versprechen der Gastfreundschaft gilt natürlich weiter, auch nach dem Abpfiff. Die Europameisterschaft 2012 hat Spuren hinterlassen in Poznan, nur zweieinhalb Zugstunden von Berlin entfernt, auf halber Strecke nach Warschau. In der Einkaufszone Polwiejska sind die Läden noch reichlich mit Trikots bestückt, im Supermarkt der Shoppingmall Stary Browar stapeln sich die Schokolodenfußbälle. Und auf dem Plac Wolnosci, dem zentralen Platz der Freiheit, steht noch die VIP-Tribüne fürs Public Viewing.

Die Stadt an der Warthe war Gastgeber der Gruppe C, Italien, Irland und Kroatien haben hier ihre Spiele ausgetragen, auf der offiziellen Homepage Poznans wurde längst Jubelbilanz gezogen. Über 450 000 Besucher hätten die Matches in der Fanzone verfolgt, heißt es. Und aus dem irischen Forum „You Boys in Green“ wird der stolze Eintrag eines gewissen „GreenDevil“ zitiert: „Ich habe mich in das Land verliebt“.

„Mit der Energie der EM hätten wir nicht konkurrieren können“, lächelt Michal Merczynski, der Direktor des Malta-Festivals, das seit über 20 Jahren in Poznan stattfindet und in diesem Jahr seinen Stammtermin Ende Juni bereitwillig auf Anfang Juli verschoben hat. Das Malta-Festival zählt zu den wichtigsten Theaterereignissen des Landes, es verdankt seinen Namen einem stadtnahen See, an dessen Flanke vor Zeiten eine Kapelle der Malteserritter angesiedelt war. Merczynski ist zwar kein Fußball-Aficionado, aber der Imagegewinn durch die EM freut ihn, wie die Mehrheit seiner Mitbürger: „Wir haben das Examen bestanden und gezeigt, dass wir in der Lage sind, ein internationales Sportereignis dieser Größenordnung zu organisieren.“

Weltläufigkeit ist eine Währung, die sich auszahlt. Ganz gleich auf welcher Bühne. Merczynski, der umtriebige Kulturmanager, denkt selbst nur in großen Dimensionen. Er hat fürs diesjährige Festival die Uraufführung von Nicholas Lens’ Oper nach dem Roman „Slow Man“ (Zeitlupe) des südafrikanischen Nobelpreisträgers J. M. Coetzee angestoßen – und den öffentlichkeitsscheuen Schriftsteller zu Premierenbesuch und Diskussionsteilnahme überredet. Er holt zugkräftige musikalische Acts in die idyllische Arena am Malta-See, wie die amerikanische Band Faith No More mit ihrem furiosen Frontmann Mike Patton. Und er hat sein Festival in den Kreis der bedeutenden Koproduktionspartner geführt, auf Augenhöhe mit Avignon, den Wiener Festwochen, dem Kunstenfestival in Brüssel und dem Berliner HAU. Maltas Anspruch: grenzenlos global. Das Festival-T-Shirt stammt in diesem Jahr aus Nordkorea, aber dazu später mehr.

„Asien Investments“ ist die Reihe „Idiom“ betitelt, seit 2010 das Malta-Herzstück mit Stücken zu einem Themenschwerpunkt. Das Plakat zeigt übereinandergestapelte Container. Auch Theater ist Frachtgut für den internationalen Import-Export. Als Kurator für diese Cargo-Kunst hat Merczynski passenderweise Stefan Kaegi gewonnen. Der ist als Mitglied der Gruppe Rimini Protokoll ja selbst Teil eines weltweit operierenden Dokumentartheater-Unternehmens mit besonderem Faible für die Dialektik der Globalisierung. Der Originaltitel seiner Reihe lautet „Akcje Azjatyckie“, was den Doppelsinn von Aktion und Aktie birgt. Kaegi wollte auf keinen Fall exotische Folklore auffahren, wie Sidi Larbi Cherkaoui, ein Flame marokkanischer Herkunft, der in Avignon virtuos die Shaolin-Mönche tanzen ließ. Sondern die spannungsreiche wirtschaftliche Dimension des europäisch-asiatischen Verhältnisses durchmessen.

Ein Kontext, der unmittelbar mit der polnischen Gegenwart verbunden ist. Erst im letzten Jahr gab es ja einen Skandal, als der chinesische Staatskonzern Covec aus strittigen Gründen die Arbeiten an der neuen Autobahnstrecke zwischen Berlin und Warschau hinwarf – eine der wichtigsten EM-Trassen. Nicht gerade Brückenbau zwischen den Völkern.

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