Theaterjahr 2015 : Auf geht's, Theater!

2014 war ein anständiges Jahr für das Theater. 2015 soll es noch besser werden. Unsere Autorin hat drei Wünsche - und hält es mit Bertold Brecht.

Ensemble Szene
Einer der Höhepunkte 2014: Yael Ronens „Common Ground“ im Gorki.Foto: Thomas Aurin

Man müsse ins Theater gehen „wie zu einem Sportsfest“, fand der bilaterale Branchenkenner Bertolt Brecht. Schon klar: Der dynamische Wunsch stammt aus dem letzten Jahrtausend. Nur leider hapert es seither eben auch ausdauernd an der Wunscherfüllung.

Nicht, dass es im Theaterjahr 2014 keine Höhepunkte gegeben hätte! Zum Beispiel Yael Ronens Ex-Jugoslawien-Rechercheabend „Common Ground“ im Gorki, grandios vergegenwärtigte „Drei Schwestern“ in Dresden oder Nicolas Stemanns mannheimisch-hamburgischen Theater-Metadiskurs mit Elfriede Jelineks Flüchtlingsklage „Die Schutzbefohlenen“. Im schnöden Theateralltag allerdings jodelte sich nicht selten eine Dürrenmatt’sche Rächerin à la Claire Zachanassian als grundlos multiple Lady Gaga über die Bühne. Und es gab „Amphitryon“-Verschnitte, in denen der Zweizeiler „Arme Alkmene / hat Migräne“ schon zum elaborierteren Code gehörte.

2015: Mehr Tore im Theater!

Kurzum: Für Dramatik mit erhöhtem „Sportsfest“-Anspruch waren zumindest Berliner Fans tatsächlich oft besser im Olympiastadion aufgehoben. Sogar bei Hertha, die sich aus der hehren Dramentheorie ja mit ziemlicher Ausschließlichkeit das „retardierende Moment“ herausgepickt hat, also die Praxis der Handlungsverzögerung vorm Höhepunkt. Freilich retardierte Hertha, ähnlich dem Theater, gern auch mal ohne finalen Abschluss vor sich hin. Weshalb der erste Wunsch fürs „Sportsfest“-Bühnenjahr 2015 klar lautet: Mehr Tore!

Und – zweiter Wunsch – mehr diskursive Strafraumdribblings; gern auch in der Marathon-Variante einer neuen Vegard-Vinge-Attacke im Prater! 2014 hatten wir es ja ziemlich alternativlos mit dem pragmatischen Steilpass nach vorn zu tun. Abseits der zuverlässigen Volksbühnen-Sechsstünder war die „Tatort“- Erzählökonomie auf dem Vormarsch: straffer Handlungsvollzug, wenig Gedankenüberschuss, zweckfreier Mehrwert knapp über null.

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Nun ist es nicht etwa so, dass wir 2014 keine klugen Gedanken aus dem Theater nach Hause getragen hätten! Komplexitätsgaranten von Hegel bis Kant, von Jacques Lacan bis Richard Sennett kamen zu Wort. Allerdings – wenn man diverse Polleschiaden ausklammert – mit Vorliebe im Programmheft. Dieses outgesourcte Gedankengut dürfte – dritter Wunsch – anno 2015 durchaus öfter wieder direkt in die Bühnenwellness intervenieren!

Unterm Strich ließe sich das, was der Dramensportler Brecht über Leibesübungen sagte, als Jahresmotto tatsächlich umstandslos auf das Theater übertragen: „Ich bin für den Sport, weil und solange er riskant (ungesund), unkultiviert (also nicht gesellschaftsfähig) und Selbstzweck ist.“ Auf geht’s!

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