Theatermacher Achim Freyer wird 80 : Herr der Wunderkammern

Der Theatermacher und Gesamtkunstwerker Achim Freyer wird 80. Zum Geburtstag gibt es Freyer-Festspiele mit Ausstellungen, Opern und Theater.

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Sinnespraller Erzähler. Achim Freyer im Berliner Ensemble.
Sinnespraller Erzähler. Achim Freyer im Berliner Ensemble.Foto: IMAGO

Der Maler, Bühnenbildner, Regisseur Achim Freyer ist ein Gesamtkunstwerker par excellence. Ein Raumklangbildzauberer des Welttheaters. Placido Domingo hat ihn den „Genius der Vorstellungskraft“ genannt, als er Freyer 2009/10 an die von ihm geleitete Los Angeles Opera für Wagners „Ring des Nibelungen“ holte. Musik, Schauspiel und die Bildenden Künste – nichts ist Freyer fremd. Aber dem Zuschauer sollen die Fabeln, Farben und Formen jedes Mal unvertraut, ein bisschen rätselhaft und aus der Ferne und Fremde ins Insgeheime lockend erscheinen. Mit diesem Wechsel zwischen Distanz und Nähe spielt er sogar in den eigenen vier Wänden.

Man kann es demnächst wieder erleben. An diesem Sonntag feiert der gebürtige Berliner seinen 80. Geburtstag, und als Hommage werden achtzig Künstler dem Jubilar je ein Werk für eine Ausstellung in seinem Haus stiften, die vom 5. April bis 6. Juni und dann noch mit Rahmenprogrammen wieder ab 6. September bis Ende November zu sehen ist. Johannes Grützke, Rosa Loy, Olaf Nicolai, A. R. Penck, Neo Rauch, Klaus Staeck und andere wichtige Freunde sind dabei, auch Robert Wilson. Und das schöne alte Haus im Kadettenweg in Berlin-Lichterfelde ist nicht nur ein Zuhause für Freyer und seine Familie. Es nennt sich offiziell „Kunsthaus“ und gleicht mit Galerie, kleinen Theaterräumen und Werkstatt auch einer Mischung aus Freyerfactory und Privatmuseum.

Achim Freyers Wunderkammern

Der Reiz des Hauses sind tatsächlich seine Wunderkammern. Von Stiege zu Stiege bis unters Dach hängen Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Plakate, stehen Figuren und lagern Objekte, laufen Freyerfilme in (alten) Fernsehern, es sind auf engst gedrängtem Raum gut 2000 Werke: mal ein Matisse, ein früher Neo Rauch, das Gemälde eines unbekannten Straßenkünstlers oder etliche Bilder des zu Lebzeiten als verrückt verfolgten und als seltsamer Heiliger verehrten Friedrich Schröder Sonnenstern. Die sogenannte „Petersburger Hängung“ (Bilder in mehreren Reihen übereinander) ist nichts gegen Freyers fantastische Kunstversammlung auf jedem Zentimeter Wand – sogar an den Decken sind Gemälde befestigt.

Der Hausherr führt Besucher gerne durch diese Welt, öffnet dem Betrachter die Augen, erzählt hübsche Anekdoten zu Genese und Erwerb mancher Stücke, gibt selbstironische Kommentare, die den Horror vacui dieses überquellenden Kunst- und Künstlerhauses zur spielerischen Inszenierung machen.

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