Kultur : Theaterrichter

Heute feiert Rolf Hochhuth seinen 75. Geburtstag

Christoph Funke

Gelassen kann man Rolf Hochhuth und seinem Werk nicht begegnen. Hochhuth ist ein Unerschütterlicher, der seinen Glauben an das Moralische heftig und kompromisslos vertritt. Ästhetische Überlegungen und Gepflogenheiten des Theaters scheren den Dramatiker dabei nicht. Es geht ihm um Haltung und Verantwortung. Er arbeitet wie ein Historiker, mit bewundernswertem Fleiß, archäologischer Zähigkeit und verblüffender Kombinationsgabe. Er ist der letzte – und wohl berühmteste – Vertreter des dokumentarischen Theaters der sechziger Jahre. Er kommt aus einer Zeit, da Theater gelegentlich noch direkt etwas bewirkte. ZumBeispiel den Rücktritt eines Ministerpräsidenten und „schrecklichen Juristen“.

Das Dokument ist Hochhuth heilig, er bringt es zum Sprechen. Er schleudert rücksichtslos in die Öffentlichkeit, was seiner Überzeugung nach gesagt werden muss. Er will Gerechtigkeit herstellen um jeden Preis. Der Dichter als Richter. Zuletzt wurden seine Stücke in Brandenburg an der Havel uraufgeführt: Attacken gegen Manager und Bankenmacht.

„Eine Liebe in Deutschland“, 1978 erschienen, gehört zu seinen wichtigsten erzählerischen Werken. Der umfassende Text stützt sich auf eine verbürgte Begebenheit des Jahres 1941 im Dorf Brombach im Markgräflerland. Zwischen dem polnischen Kriegsgefangenen Stasiek Zasada und der um anderthalb Jahrzehnte älteren deutschen Gemüsehändlerin Pauline Krop entbrennt eine heftige Liebe. Sie ist von Anfang an, den faschistischen Gesetzen zufolge, mit dem Tod bedroht. Und so geschieht es: Zasada wird nach Entdeckung der Beziehung auf brutale Weise hingerichtet, Pauline mit langjähriger Haft bestraft.

Im Berliner Theater 89 kam nun eine sehr knapp gefasste, dem Ablauf der Ereignisse bis auf einen Jahrzehnte später spielenden Prolog linear folgende dramatisierte Fassung der Liebesgeschichte auf die Bühne. Regisseur Hans-Joachim Frank und Bühnenbildner Volker Pfüller rücken das Geschehen in die Nähe christlicher Ikonographie, bauen die Stationen eines Kreuzwegs auf, geben der einzelnen, Szene Gewicht durch Überhöhung.

Heute Abend gratuliert auch das Schlossparktheater Rolf Hochhuth zum 75. Geburtstag – mit „Nachtmusik“, inszeniert von Andreas Gergen. Das 2001 am Citizen Theatre in Glasgow uraufgeführte Stück fügt den zahlreichen Vermutungen um den Tod Wolfgang Amadeus Mozarts eine neue hinzu. Und im Berliner Ensemble steht morgen das berühmteste Stück Hochhuths auf dem Spielplan, „Der Stellvertreter“. Dem Dichter ist das nicht genug, wie er immer wieder, besonders im Streit mit Claus Peymann, kundgetan hat.

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