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Theaterstreit in Berlin : Heftiger Streit zwischen Besetzerkollektiv und Mitarbeitern der Volksbühne

Eigentlich wollte das Besetzer-Plenum am Mittwoch-Abend über ein Kompromissangebot der Volksbühnen-Intendanz entscheiden. Es kam zu erbitterten Auseinandersetzungen.

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Dieses Transparent prangt seit Freitag an der Fassade der Volksbühne. Foto: dpa
Dieses Transparent prangt seit Freitag an der Fassade der Volksbühne.Foto: dpa

Die Lage in der seit vergangenen Freitag besetzten Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz spitzt sich zu. Eigentlich wollte das Besetzerkollektiv in einem Plenum am Mittwochabend über ein Kompromissangebot des Intendanten Chris Dercon und des Kultursenators Klaus Lederer diskutieren und abstimmen. Das Theater hatte sich bereit erklärt, den Aktivisten den Grünen Salon und den Pavillon „für die Durchführung ihrer künstlerischen Angebote und zur Diskussion ihrer wichtigen stadtpolitischen Anliegen“ zu überlassen. Unter einer Bedingung: Es sollen keine Techno-Partys veranstaltet werden. Das Künstlerteam von Dercon muss dringend uneingeschränkt für die Premieren im November proben, damit der Saisonstart wie geplant stattfinden kann.

Bei dem Plenum waren auch Mitarbeiter der Volksbühne anwesend. Zwischen ihnen und den Besetzern kam es zu heftigen verbalen Auseinandersetzungen. Eine große Mehrheit der Theatermitarbeiter hatte sich schon zuvor für eine Beendigung der Besetzung ausgesprochen. Sie empfinden die Besetzer als Eindringlinge, fühlen sich von ihnen erpresst und forderten sie auf, das Angebot der Intendanz anzunehmen. Die Aktivisten unterstellten den Mitarbeitern, sie wollten den neuen, umstrittenen Intendanten doch auch nicht. Einige der annwesenden Mitarbeiter betonten hingegen, sie wollten Dercon erst einmal kennenlernen. Genau dies verhindern die Besetzer.

Am Donnerstag ist die Volksbühne auch Thema im Abgeordnetenhaus

Auch die Volksbühnen-Schauspielerin und Regisseurin Silvia Rieger versuchte, die Besetzer zum Einlenken zu bewegen. Sie sprach über den Kunstbegriff, erläuterte den Unterschied zwischen professionellem Theater und improvisierten Aktionen. Das Vorgehen der Besetzer sei ungefähr so, als wenn sie ein Krankenhaus okkupieren und gleich am ersten Tag darauf bestehen würden, eine Operation durchzuführen. Die Abstimmung der Besetzer wurde schließlich auf den Donnerstag verschoben. An diesem Donnerstag steht die Besetzung der Volksbühne auch im Abgeordnetenhaus auf der Tagesordnung.

Ulrich Khuon, Präsident des Deutschen Bühnenvereins und Intendant des Deutschen Theaters, kritisierte die Besetzer ebenfalls. Im RBB-Kulturradio sprach er von einer „Position der Arroganz, der Überheblichkeit, der Selbstgewissheit“. an diesem Donnerstag soll die Besetzung auch Thema im Abgeordnetenhaus sein.

Zudem wurde am Mittwoch bekannt, dass die Leitung der Volksbühne ihre Aufsichtspflicht weiter wahrnimmt. Wird ein Theater bespielt – und sei es von einem Besetzerkollektiv –, muss ein Mitglied der Direktion anwesend sein. Auch Chris Dercon, der laut Besetzer-Sprecherin bereits seit August über die Aktion informiert gewesen sein soll, hat schon auf Clubsesseln in der Volksbühne übernachtet.

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