Theatertreffen : Berlin und München liegen vorn

Die nominierten Stücke des Berliner Theatertreffens stehen fest, es handelt sich um zehn bemerkenswerte Inszenierungen.

Rüdiger Scharper

Die üblichen Verdächtigen, ein paar Überraschungen und das eine oder andere Fragezeichen: Die siebenköpfige Kritikerjury hat die zehn „bemerkenswerten Inszenierungen“ für das Berliner Theatertreffen 2008 ausgewählt (2. bis 18. Mai). Das Deutsche Theater Berlin und die Münchner Kammerspiele sind mit je zwei Inszenierungen dabei, auch aus Zürich kommen zwei Produktionen.

Eine klare Sache: Vom Deutschen Theater wurden Gerhart Hauptmanns „Die Ratten“ in der Regie von Michael Thalheimer und Tschechows „Onkel Wanja“ in der Regie von Jürgen Gosch nominiert. Dimiter Gotscheff ist diesmal nicht in der Endauswahl. An den Münchner Kammerspielen fand die Jury Fassbinders „Die Ehe der Maria Braun“ in der Regie von Thomas Ostermeier und Shakespeares „Sturm“ in der Inszenierung von Stefan Pucher bemerkenswert. Ostermeier ist künstlerischer Direktor der Berliner Schaubühne; sein Haus fand ebenso wenig Gefallen wie die Produktionen der Volksbühne. Damit ist die Vorherrschaft des Deutschen Theaters in der Hauptstadt dokumentiert.

Mit diesmal nur einer Inszenierung ist das Hamburger Thalia Theater, der Seriensieger der letzten Jahre, vertreten: Schillers „Maria Stuart“ in der Regie von Stephan Kimmig. Die Beiträge aus der Schweiz: Shakespeares „Hamlet“ in der Regie von Jan Bosse (Schauspielhaus Zürich) und Christoph Marthalers Projekt „Platz Mangel“ ( Rote Fabrik Zürich). Aus Österreich ist im Jahr der alpenländischen Fußball-EM nichts dabei. Kein Burgtheater, nirgends.

Das Schauspiel Köln wurde mit einer „Installation“ des dänisch-österreichischen Performance- Duos Signa „Die Erscheinungen der Martha Rubin“ ausgewählt (die einzigen Debütanten beim Theatertreffen), das Schauspiel Frankfurt mit „Gertrud“ nach Einar Schleef in der Regie von Armin Petras, im Hauptberuf Intendant des Maxim Gorki Theaters Berlin. Außerdem entschied sich die Jury für Sebastian Nüblings Inszenierung „Pornographie“ von Simon Stephens, einer Koproduktion des Schauspiels Hannover, dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg und dem Festival „Theaterformen“. Nübling, Pucher, Petras, Marthaler: auch sie gute alte, mittelalte Bekannte beim Theatertreffen. Überraschen können eher die Orte und Produktionsstätten, die sie vertreten. Was für die Vielfalt und die Vernetzung des deutschsprachigen Theaters spricht.

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