Kultur : "Theatrum naturae et artis": Der neue Charme des Objekts

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"Wir haben uns einlullen lassen vom Schampus der Virtualität", sagte Berlins Kultursenator Stölzl bei der Abschlusspressekonferenz der Ausstellung "Theatrum naturae et artis" im Martin-Gropius-Bau. Und lange habe man vor lauter (Multi-)Mediatisierung vergessen, dass der Mensch das Objekt braucht, um die Welt sinnlich zu erfahren, zu (be-)greifen. Der Zuspruch von mehr als 80 000 Besuchern in den "Wunderkammern des Wissen" bezeuge dies. Man kann die Rückkehr der Phänomene auch andernorts bestätigt sehen, beispielsweise in dem Besucherandrang bei den "Körperwelten". Von deren voyeuristischem Ansatz distanzieren sich die "Naturae et artis"-Ausstellungsleiter Horst Bredekamp und Jochen Brüning. Sie stellten asketisch und ohne Inszenierung Kunst und Wissenschaft nebeneinander, wobei deren Zusammenhang evident wurde. Und die Universität als Bindeglied und Motor dieser Welten gewinnt ein "neues Selbstbewusstsein", so Jürgen Mlynek, Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin. Erstaunt sieht man den totgeglaubten Humboldtschen Mythos der universitas in dieser Ausstellung sinnfällig und greifbar werden. Sie unterstütze damit den notwendigen Dialog von Wissenschaft und Gesellschaft, für den die Hauptstadt Berlin besonders verantwortlich sei, so Joachim Treusch von der Helmholtz-Gemeinschaft. Dies bestätigt Senator Stölzl und unterstützt die vielfach geforderte "Verstetigung" der Ausstellung in Form eines Wissenschaftshistorischen Museums - natürlich mit bedauerndem Verweis auf die leeren Landeskassen. Die Ortsfindung hält er für unproblematisch und schließt selbst Spekulationen über das Stadtschloss nicht aus.

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