Theorie : Denken und deuten

"100 Bücher nach 2001": Hendrikje Schauer und Marcel Lepper führen mit einer Liste durchs Dickicht der zeitgenössischen Theorie.

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Ein Buch wie ein philosophischer Werkzeugschuppen. Die Autoren Hendrikje Schauer und Marcel Lepper bieten dem Interessierten Titelvorschläge zu ausgewählten Themenfeldern. Foto: imago
Ein Buch wie ein philosophischer Werkzeugschuppen. Die Autoren Hendrikje Schauer und Marcel Lepper bieten dem Interessierten...Foto: imago

Was Theorie ausmacht, erklärt die ironische, wenn auch mit einem Fragezeichen versehene Auskunft, die Hendrikje Schauer und Marcel Lepper in Abwandlung eines berühmten Supreme-Court-Zitats gleich zweimal geben, am besten: I know it when I read it. In ihrer sophistischen Zuspitzung deutet sie an, dass es sich offenbar nicht um exakte Wissenschaft handelt, allerdings auch nicht nur um ungezügeltes Denken. Und sie steht dafür, dass der Bereich ihrer Gegenstände völlig offen ist: Weder ist sie Philosophie, noch ist umgekehrt alle Philosophie Theorie. Dafür spricht die ungeheure Erweiterung des Theoriefelds, das neben klassischen Themen wie Gewalt, Gerechtigkeit oder Geschichtsschreibung neuerdings auch Postkapitalismus, Postdemokratie oder Posthumanität umfasst. Mit Büchern wie Terry Eagletons „After Theory“ hat sie sich inzwischen schon selbst nachgerufen – selbstverständlich theoretisch.

Mit den Meisterdenkern des 20. Jahrhunderts kommt man jedenfalls nur noch bedingt weiter. Deshalb haben Schauer und Lepper eine unkommentierte Leseliste mit 100 einflussreichen Theoriewerken aus den Jahren nach 2001 zusammengestellt. Sie folgt nicht Disziplinen, sondern Themenkreisen – neben den schon erwähnten unter anderem Internationales Recht, Institutionen, Medien, Religion und Sprache.

An der Spitze stehen die Originalausgaben, gefolgt von den Übersetzungen in andere westliche Sprachen. In einem zweiten Teil erscheinen alle Titel auch chronologisch. Dazu kommen ein Namensregister und ein instruktives, die erste Buchhälfte einnehmendes Vorwort. Es versucht gar nicht erst, die Auswahl zu rechtfertigen, bilanziert die geistige Grundsituation aber nüchtern. Ein Buch wie ein Werkzeugschuppen: Seine Schaufeln, Spitzhacken und Äxte rufen dazu auf, sich auf eigene Faust durchs Dickicht der Theorie zu schlagen.

Hendrikje Schauer, Marcel Lepper (Hrsg.): Theorie. 100 Bücher nach 2001. Works and Nights, Stuttgart/Weimar 2017. 76 Seiten, 8 €. www.worksandnights.net

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