Kultur : Thesen vom Tresen

Achternbusch attackiert Kohl: "Neue Freiheit - keine Jobs"Als es nach dem Skandal um sein "Gespenst" (1982) so aussah, als würde Herbert Achternbusch nie wieder staatliche Fördermittel bekommen, ist von einigen übereifrigen Feuilletonisten gleich der Untergang des Neuen Deutschen Films beschwört worden.Dabei gehört Achternbusch zu den wenigen eigenwilligen deutschen Filmemachern, die trotz der veränderten Kulturpolitik kontinuierlich weiterarbeiten.Für die Rolle des Märtyrers ist er ungeeignet, und zuviel Aufmerksamkeit tut ihm gar nicht gut.Er ist eine originelle Randexistenz: Berlin hat seinen Lothar Lambert und Bayern seinen Herbert Achternbusch.Dessen neuester Streich befaßt sich mit dem Versuch eines Stadtstreichers, die Ära Kohl zu beenden, und der unerwarteten Zustimmung, die er von vorbeikommenden Polizisten und Passanten erfährt."Neue Freiheit - keine Jobs" ist eine lustige, unverkrampfte Antwort auf bierernste, verkrampfte Problemfilme wie "Das Leben ist eine Baustelle".Gerade weil Achternbusch nicht eindeutig Stellung bezieht oder polemisiert, gerade weil er Thesen zur Lage der Bundesrepublik unkommentiert in den Raum stellt, regt sein vordergründig alberner Film zum Nachdenken an.Eine Nebenhandlung zeigt Höhlenmenschen und ihre Probleme mit dem Fortschritt, der nur Schaden anrichtet: Steinzeit - Neuzeit - Arbeitslosigkeit.Primitiv lebt man friedlicher, lautet die Erkenntnis; lieber primitiv, aber vollbeschäftigt.Natürlich bleibt es auch hier offen, wie ernst das von Achternbusch gemeint ist.Daß man sich die vorgetragenen Thesen gern anhört, liegt an den erstklassigen Schauspielern der Münchener Kammerspiele - Jörg Hube, Axel Milberg, Josef Bierbichler, Thomas Holtzmann und Rolf Boysen -, aus deren Mund jeder Nonsens wie höhere Philosophie klingt. F.N. fsk am Oranienplatz

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