Kultur : Thierse für raschen Baubeginn

TEL AVIV / BONN (AFP). In israelischen Medien ist die Entscheidung des Bundestages zum Bau des Holocaust-Denkmals in Berlin am Sonntag begrüßt worden. Die Zeitung "Haaretz" bezeichnete den Beschluß als "bestimmenden Moment eines Jahrzehnts nationaler Selbstfindung" der Deutschen.

In der "Jerusalem Post" wird die Entscheidung als "passend am Vorabend des Parlamentsumzuges nach Berlin" empfunden. Die mehr als zehn Jahre dauernde Debatte wird als "bedauerlich" charakterisiert. Dennoch habe sie das wiedervereinigte Deutschland gezwungen, sich mit seiner dunklen Geschichte auseinanderzusetzen. Bundeskanzler Gerhard Schröder "verdient Lob für die richtige Entscheidung", schreibt das Blatt. Auch die Angliederung des Dokumentationszentrums sei richtig. Die deutliche Entscheidung des Bundestages müsse auch als Warnung an Berlins Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen gesehen werden, die Realisierung nicht durch bürokratische Hürden zu behindern.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat im Inforadio den 27. Januar 2000 als Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz für den Baubeginn vorgeschlagen. Die Vorsitzende des Bundestags-Kulturausschusses, Elke Leonhard (SPD), ist dagegen, allen Opfergruppen der Nazis Denkmäler zu bauen. Leonhard sagte dem WDR, alle würden in der Stiftung vertreten sein, deren Gründung der Bundestag zur Pflege des Gedenkens beschlossen hatte. Der Bund werde mit allen Gespräche führen, an deren Ende auch ein Lehrstuhl an einer Universität oder ein anderes Ergebnis stehen könne.

Der Leiter der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, Volkhard Knigge, begrüßte im Hessischen Rundfunk die Grundsatzentscheidung. Er kritisierte hingegen, daß mit dem Berliner Mahnmal ausschließlich an die ermordeten Juden erinnert würde.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben