Kultur : Thomas Bischoff steht zu seiner Stasi-Geschichte

In einer programmatischen Erklärung seiner Theaterarbeit hat der Regisseur Thomas Bischoff unlängst dargelegt: "Das verdrängte Wort hinterlässt auf der Bühne eine Leere, die gefüllt werden muss." Nun hat die Leere des verdrängten Wortes den 1957 in Lützen bei Leipzig Geborenen selbst eingeholt. Bischoff, einer der Profiliertesten der jüngeren Theatermacher, der seit Herbst als Hausregisseur an der Berliner Volksbühne arbeitet und ab August dieses Jahres stellvertretender Leiter des Schauspiels Düsseldorf werden sollte, wo er bereits mehrfach inszenierte, ist von einer Kollegin aus Senftenberger Tagen bezichtigt worden, ein IM der Stasi gewesen zu sein. Dies berichtet die "Süddeutsche Zeitung" und schildert das allmähliche Abrutschen vom Freiwilligen der Volksmarine und NVA-Unteroffizier über den Anti-DDR-Querulanten bis zum IM-Anwärter mit dem Decknamen "Fricke". In dieser Funktion habe Bischoff Mitte der 80er Jahre für die Staatssicherheit unter anderm eine Beurteilung der Schauspielerin Regina Bode verfasst, der wohl zu einer "verspäteten Genehmigung ihres Ausreiseantrags" (Bischoff) geführt habe. "Er müsse sich eines vergessenden Verdrängens bezichtigen" zitiert die "Süddeutsche" den Regisseur, der aufgrund der jetzigen "Denunziation" beschlossen habe, seinen Vertrag in der Rheinstadt nicht zu unterschreiben. Das dortige Schauspiel stehe ohnehin "unter Pressebeschuss". Die "Denunziation" war ein Fax, das Bode am Montag dieser Woche an die Düsseldorfer Intendantin Anna Badora gerichtet hatte. Dies bestätigte das Schauspielhaus, auch habe es erst durch den Pressebericht von Bischoffs Rücktritt erfahren. Bischoff selbst, der an der Volksbühne Werner Schwabs "Volksvernichtung" inszeniert, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen; laut Pressestelle bestätigt Bischoff den Bericht im Wesentlichen. Unklar bleibt, warum Frau Bode ihre Kenntnis von Bischoffs IM-Tätigkeit erst jetzt bekannt gab.

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