Thomas Reisser : "Red Baron" wird privat finanziert

In Prag wird das Leben des Jagdfliegers Manfred von Richthofen (1892-1918) verfilmt. "The Red Baron" hat ein Budget von rund 18 Millionen Euro. Thomas Reisser ist Produzent und Investor des Films.

Was ist das Geheimnis der Finanzierung von "The Red Baron"?



Es gibt eine Handvoll Investoren, die Gesellschafter sind. Das sind alles Unternehmer aus Baden-Württemberg. Mit dem Projekt, der Begeisterung in den Augen von Regisseur Nikolai Müllerschön und viel Papier sind wir in Unternehmerkreise gegangen und konnten dort großes Interesse wecken. Ungewöhnlich ist mit sechs Unternehmern die Zahl der Investoren. Wir wollten diese kleine Zahl haben, damit die Leute, die investieren, live dabei sind. Wenn man das mit den Fondsmodellen aus der Vergangenheit vergleicht, dann waren das immer steuergetriebene Dinge - und Investoren, die überhaupt nichts mit dem Projekt zu tun hatten.

Und was ist die Motivation der Investoren heute?

Im Grunde so, als wenn sie in ein anderes Unternehmen investieren. Dann gucken sie, dass es sich auch bezahlt macht. Die Investoren sind gemäß ihrer Beteiligung am Verdienst beteiligt, mit allen Chancen und Risiken. Sie glauben an das Projekt, an den Erfolg des Films.

Wer sind Ihre Geldgeber?

Sie kommen aus der IT-Branche, dem Maschinenbau und dem Dienstleistungsbereich.

Sie wollen die Investoren nah am Projekt haben, was heißt das?

Sie schauen bei Dreharbeiten vorbei, sind dabei, wenn es um Castingvorschläge geht und um die Frage, nehmen wir jetzt eine Förderung an oder nicht. Sie sind wirklich Produzenten.

Hatten Sie sich überhaupt um Fördergelder bemüht?

Wir hatten bei der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg einen Förderantrag gestellt. Beantragt waren eine Million Euro, 600.000 Euro hätten wir bekommen. Um die Differenz aufzufangen, haben wir Drehtage, die eigentlich in Baden-Württemberg anberaumt waren, nach Prag verlegt. Dann kamen die Förderbedingungen: Die Fördersumme war abhängig von der Anzahl der Drehtage, und nachdem die sich dann aufgrund unserer Verlegungen reduziert hatten, war die Fördersumme relativ gering. Und dann haben wir gesagt, nee, da verzichten wir gänzlich drauf.

Man stellt sich also mit seinem Film einem Unternehmen vor, weckt Begeisterung für das Projekt und schon hat man 18 Millionen Euro zusammen. Warum macht das dann nicht jeder so?

Man muss schon sagen, dass Produzent Roland Pellegrino und ich einige langjährige Kontakte haben. Es ist sicher nicht so, dass man bei XY an der Pforte steht und sagt: Ich habe da eine tolle Idee.

Könnte Ihr Modell trotzdem Schule machen?

Ich glaube schon, weil es sehr viel Kapital im Land gibt, das darauf wartet, investiert zu werden. Das Schöne beim Film ist, dass er nach wie vor einen wahnsinnigen Reiz hat. Der Reiz aus Investorensicht ist, dass das Risiko sehr kalkulierbar ist. Beim Film gibt es eine sehr detaillierte Budgetierung. Daher wird es schon unser Modell für die Zukunft sein.

Die Bundesregierung hat kürzlich ein neues Modell zur Stärkung der Filmproduktion beschlossen. Was halten Sie davon?

Das ist sehr zu begrüßen. So wie es angedacht ist, dass in Deutschland investierte Gelder bis zu 20 Prozent an die Produzenten zurückgehen, wäre das schon ein Anreiz.

Hätten Sie dann in Deutschland gedreht?

Ja, das ist eine ganz einfache Rechnung. Wobei wir in Prag jetzt einzigartige Locations gefunden haben. Aber wir hätten gar nicht nach Prag geguckt. (tso/ddp)

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