Kultur : Tief gestapelt

Das Bauhaus-Archiv stellt seine neue Architektin vor

Ulf Meyer

Das Bauhaus-Archiv in Berlin hat die richtige Architektin gefunden, aber für eine falsche Aufgabe. Das wird überdeutlich in der neuesten Ausstellung über das Tokioter Architekturbüro von Kazuyo Sejima, SANAA genannt, das sie zusammen mit ihrem Partner Ruye Nishizawa betreibt. Sejima eilt derzeit von Erfolg zu Erfolg: Ende Juli wurde ihr erster Bau in Deutschland eröffnet, Ende August folgte das Glass-Museum in Toledo, Ohio und nächstes Jahr das neue Museum of Contemporary Art in New York. Als letztes Jahr bekannt wurde, dass auch Berlin bald ein Museum nach Entwurf der berühmten Baukünstlerin bekommen würde, war die Erleichterung groß. Nach der wenig abwechslungsreichen Architektenriege der Stimmann-Ära kommt auch in der für ihre architektonische Begeisterung berühmten Stadt endlich ein japanisches Büro zum Zuge.

Die Ausstellung, die das Bauhaus-Archiv über „seine“ neue Architektin zeigt beweist jedoch, dass Berlin abermals dazu verdammt zu sein scheint, zweitklassige Projekte von erstklassigen Architekten zu versammeln. Die unterirdische Erweiterung des Museums, deren Finanzierung durch ein riesiges Bürohaus an der Klingelhöfer Straße erkauft werden muss – es wird das Museum künftig vollends im Straßenbild kaschieren –, ist Sejimas mit Abstand schwächstes Projekt. Von den weichen, minimalistisch-transparenten, gleißend-weißen Räumen, die für ihre Eleganz bewundert werden, ist nichts zu spüren. Wo ihre nackten, fließenden Räume sonst offen und universal wirken, bietet sie in Berlin lediglich ein beklemmendes Kellermuseum, das Walter Gropius’ Entwurf umstrickt, ohne ihm neue Qualitäten abzutrotzen. Das potenziell leer stehende Bürohaus wirkt ebenso überflüssig wie die Museumserweiterung als solche. Seit der Wiedervereinigung gibt es mit Weimar und Dessau bessere Orte für das Studium der Bauhaus-Geschichte, deren Relevanz jede Generation neu diskutieren muss. Mit der geplanten Erweiterung verschlimmbessert das Haus seine städtebauliche Lage und tut sich mit dem Geburtstagsgeschenk an sich selbst zum 50. Jubiläum im Jahr 2010 keinen Gefallen.

bis 20. November, Mi bis Mo 10–17 Uhr

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