Kultur : Tiere sehen dich an

Das Alte Museum zeigt ein römisches Mosaik.

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Der Löwe grinst genüsslich. Gerade hat er einen Wasserbüffel erlegt. Die Pythonschlange würgt den Riesenfisch. Der Leopard krallt sich in den Bauch der Säbelantilope. In dem prächtigen römischen Mosaik packen einen die Tierszenen mit ihrer schieren Lebendigkeit. Schon 1996 machten israelische Archäologen bei einer Straßenverbreiterung in der Kleinstadt Lod den Sensationsfund. Dreizehn Jahre später konnten sie einen 150 Quadratmeter großen kostbaren Mosaikboden aus dem Dritten Jahrhundert bergen. Der besterhaltene Teil ist jetzt unter dem Titel „Jäger und Gejagte“ in der Rotunde des Alten Museums zu sehen.

Die Ausgräber vermuten, daß das Mosaik aus der Eingangshalle einer luxuriösen Villa stammt. Das könnte erklären, warum im Zentrum der wilden Hatz Ruhe zwischen den mächtigen Tieren herrscht. Hier tummeln sich Elefant, Rhinozeros, Tiger, Büffel und Giraffe friedlich nebeneinander. Wenn Besucher in der Hallenmitte begrüßt wurden, mag ihnen die Szene Sicherheit und Gastfreundschaft vermittelt haben. In Vorzeichnungen skizzierten die Künstler die Tiere. Dann verlegten sie die Glas- und Natursteine in ein Bett aus Mörtel und Zement. Offenbar liefen während der Arbeiten Menschen und Hunde über die Baustelle. Denn im Untergrund fanden die Restauratoren Pfoten- und Sandalenabdrücke.

Der kostbare Fund wurde an Ort und Stelle konserviert. Akribisch klebten die Archäologen die Steinchen auf eine Schicht Baumwollstoff, bis sie das Bild aufrollen konnten. So kann das prächtige Mosaik jetzt auch auf Tournee geschickt werden, ehe es in einem neuen Museum in Lod seinen festen Ort findet – das antike Lydda wurde 66 n. Chr. von den Römern erobert. Als das Mosaik entstand, waren dessen Bewohner überwiegend jüdischen Glaubens. So ist es wohl das jüdische Bilderverbot, das eine Besonderheit des Funds erklärt: die völlige Abwesenheit von Menschen. Simone Reber

Altes Museum, Museumsinsel, Di–So 10–18 Uhr, Do bis 20 Uhr; bis 11. Mai 2014

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