Kultur : Tierzucht: Vom Masttier zum Menschen

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Richtig eingesetzt sind Antibiotika beim Menschen sehr wirksame Medikamente. Sie können Leben retten. Zuletzt verdeutlichte die Gefahr durch Anschläge mit Milzbrand-Sporen, welche Bedeutung Antibiotika - in diesem Fall das Mittel Ciprofloxacin - haben. Aber seit Jahren mehren sich auch Befürchtungen, dass die scharfe Waffe Antibiotikum abstumpfen könnte. Ursachen dafür sind ungerechtfertigte Verschreibung, zu kurze, zu lange oder unregelmäßige Einnahme und der - meist unerlaubte - Einsatz von Antibiotika in der Tiermast.

Als Futterzusatz werden Antibiotika in der Mast gegeben, weil die Tiere dadurch schneller wachsen. Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, dass resistente Keime im Darm der Tiere gezüchtet werden - Bakterien, die gegen das entsprechende Antibiotikum oder verwandte Mittel unempfindlich sind. Kommen diese Keime durch das Fleisch der Tiere oder auf andere Weise in den Menschen, trotzen sie bei einer Infektion dem Medikament, gegen das sie zuvor abgehärtet wurden.

Schwere Nebenwirkung

In der EU sind zur Zeit nur noch vier Antibiotika (Avilamycin, Flavomycin, Salinomycin, Monensin) als Wachstumsförderer zugelassen. Auch ihr Einsatz soll aus Vorsorgegründen verboten werden, fordern Verbraucherschützer.

Damit ein Keim für den Menschen gefährlich werden kann, genügt allerdings die Antibiotika-Resistenz meist nicht. "Ebenso entscheidend ist die Virulenz des Erregers, das heißt seine Gefährlichkeit", sagt Helmut Hahn, Mikrobiologe am Berliner Franklin-Klinikum. "Ein dritter Faktor ist ein geschwächtes Immunsystem."

Chloramphenicol ist ein "Uraltmittel" und EU-weit in der Tiermast verboten. Obwohl gut wirksam - zum Beispiel bei eitriger Hirnhautentzündung oder bei Typhus -, wird es kaum noch verwendet. Der Grund ist eine sehr seltene, aber schwere Nebenwirkung: Das Mittel kann die Blutbildung im Knochenmark lahmlegen und auf diese Weise seinerseits zu schweren Infektionen führen, weil die Körperabwehr gelähmt ist. Solche Folgen sind aber bei verunreinigtem Tierfutter nicht zu erwarten - die Dosis ist viel zu niedrig.

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