Till Raethers Krimi „Treibland“ : Ein Virus kommt selten allein

Der Journalist Till Raether arbeitet für Zeitschriften wie das "SZ-Magazin" oder die "Brigitte". Dass er auch als Krimiautor durchaus Talent hat, zeigt sein Debüt „Treibland“ um den interessanten Kommissar Adam Danowski.

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Till Raethers Krimi beginnt auf einem Kreuzfahrtschiff im Hamburger Hafen.
Till Raethers Krimi beginnt auf einem Kreuzfahrtschiff im Hamburger Hafen.Foto: dpa

Kennt man doch, denkt man erst: Ein grauenhafter Virus bedroht eine große Stadt – Hamburg. An Bord eines Kreuzfahrtschiffes hat er einen Passagier zu Tode gebracht. Kommissar Adam Danowski befasst sich widerwillig mit dem Todesfall, der bald nach einem Mordfall aussieht. Mit der unterkühlten Virologin Tülin Schelzig wickelt er die Routine ab – so, dass die Öffentlichkeit der Hansestadt von dem Toten möglichst wenig mitbekommt. Aber dann reißt sich der unaufmerksame Danowski bei seinen Ermittlungen auf dem Schiff den Schutzanzug auf und darf, wie alle anderen Passagiere auch, nicht mehr von Bord. Und in Hamburg läuft eine junge Gerichtsmedizinerin herum, deren Blut mit dem Mördervirus infiziert ist.

Doch Till Raethers Krimi „Treibland“ wird bald vom Katastrophen-Thriller zum spannenden Polizeiroman: Adam Danowski ist eine ausgesprochen interessante Type – nur nicht auf den ersten Blick. Da merkt man dem 1969 in Koblenz geborenen Journalisten Raether, der für Zeitschriften wie das „SZ-Magazin“ oder die „Brigitte“ arbeitet, den trainierten Blick für interessante Leute an. Denn es gehören Mut und Fantasie dazu, in einer von Ermittlern jeder Art bevölkerten Krimiwelt einen Mann an die Arbeit zu schicken, der fast ein bisschen grau erscheint: aus Berlin ins Hamburger Exil gegangen, zusammenlebend mit der ersten Liebe, zwei Töchter, die ihn froh machen, dennoch von Kopfschmerzen gequält. Die Angst vor einem Tumor hat ihm der Arzt gerade genommen und ihm dafür „Hypersensibilität“ attestiert. Dieser Adam Danowski also will sich von seiner Arbeit nicht ums Leben mit Frau und Kindern bringen lassen – doch genau das geschieht. Auf dem Schiff sucht er nach der Frau, mit der das Virusopfer die Kabine geteilt hat – und die nicht die Ehefrau des Toten war.

Die im Hafen dümpelnde Spaßveranstaltung mit dem Namen „Große Freiheit“ ist durch ihre Vertäuung unter Quarantäne zum Gegenteil zeitgemäßen Eventurlaubs geworden, jedenfalls für die 1500 angst- und wuterfüllten Urlauber, die das Pech hatten, mit dem Virusopfer an Bord zu sein. Action erlebt nur noch einer, davon aber mehr, als ihm lieb ist: Danowski, der den Mord im Alleingang klärt. Ein Mann mit Potenzial.

Till Raether: Treibland. Roman. Rowohlt Verlag, Hamburg 2014. 492 Seiten, 14,99€.

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