Kultur : Tintenfische und Freibeuter

Steffen Richter

fährt an den Wannseestrand Ein rechter Glückspilz ist, wer von seinem Vater eine Wiese geschenkt bekommt. Man könnte Schafe darauf züchten, sich einen Liegestuhl beschaffen und friedlich in der Sonne dösen. Man kann den Flecken aber auch verkaufen wie es der Verleger Klaus Wagenbach vor 40 Jahren tat. Das Geld reichte für die ersten elf Bücher.

Heute ist der Wagenbach Verlag eine Institution. Seine Lesebücher und Anthologien sind ein Stück deutscher Literaturgeschichte: Das Jahrbuch „Tintenfisch“, der „Freibeuter“ und zeitweilig auch das gerade wieder einmal zur Disposition stehende „Kursbuch“ hatten bei ihm eine Heimstatt. In den Achtzigern versetzte der Italien-Liebhaber seinem Programm einen transalpinischen Drall. Später kam die „Kulturwissenschaftliche Bibliothek“ dazu. Die feine Backlist bietet neben Pasolini und Malerba, Manganelli und Sciascia auch Peter Burke und Carlo Ginzburg. Ganz zu schweigen von jüngeren Erfolgen mit Michel Houellebecq und A.L. Kennedy. Nachlesen kann man all das in „Warum so verlegen?“, einem hübschen Geburtstagsbändchen.

Nun feiert die Legende ihr 40-jähriges Bestehen. Wenn Sie am 14.8. an den Wannsee fahren, dürften Sie sich in großer Gesellschaft befinden. Zum traditionellen Sommerfest im Literarischen Kolloquium (Am Sandwerder 5), diesmal ganz im Zeichen des Wagenbach-Jubiläums , strömten in den vergangenen Jahren regelmäßig Tausende. Ab 16 Uhr läuft das Kinderprogramm. Anschließend erzählt der Dramatiker und Romancier George Tabori, der Kunstsammler Heinz Berggruen signiert. Tiziano Scarpa („Amore“, „Was ich von dir will“) und Martin Page („Die Libelle des achten Jahres“) lesen aus neuen Büchern. Peter Schneider, Hanns Zischler, und der österreichische Lyriker Hans Aschenwald tragen Texte vor, und auch der Chef selbst wird vorlesen: Erich Fried und italienische Liebesgeschichten. Ab 21 Uhr darf dann getanzt werden. Ein „wildes Fest“ verspricht Klaus Wagenbach. Na dann mal los.

0 Kommentare

Neuester Kommentar