Kultur : Tobias Weigel aus Berlin

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Das Schlangestehen ist für uns wie ein kleiner Familienausflug. Für das Kinderfilmfestival ist meine Tochter natürlich noch viel zu klein, sie ist ja erst 16 Monate alt. Aber wer weiß, vielleicht wird das ja in ein paar Jahren interessant für sie. Und jetzt hat sie großen Spaß dabei, an den vielen Leuten in der Schlange vorbei die Potsdamer Platz Arkaden rauf- und runterzurennen.

Ich selbst bin schon eine Art alter Hase der Berlinale. Ich wohne schon seit dreieinhalb Jahren hier in Berlin und arbeite bei der evangelischen Kirche. Ich gehe auch sonst gerne ins Kino, vor allem in Off-Kinos. Seit ich in Berlin wohne, gehört es für mich absolut dazu, mir auf der Berlinale wenigstens ein paar Filme anzugucken.

Ursprünglich komme ich aus Sachsen-Anhalt. Während der Berlinale bekomme ich Besuch von ein paar Freunden aus Dresden, deswegen stehe ich jetzt hier an und hoffe, genug Karten zu bekommen, um mit ihnen am Wochenende ein paar Filme anzugucken.

Ich möchte Tickets für „Esperanza“, „Elementarteilchen“ und „The New World“. Besonders interessiert mich „Esperanza“, ein Film von Zsolt Bács mit Anna Thalbach. Eine Tragikomödie in der Tradition von Kusturica, Kaurismäki und Jeunet: Es geht um einen Ausflugsdampfer, auf dem eine Hand voll Passagiere zusammentrifft und über die Liebe und das Leben philosophiert.

Die lange Warterei stört mich eigentlich nicht. Im Gegenteil, es gehört doch dazu: Wer sich darüber beschwert, hat doch keine Ahnung vom Berlinale-Feeling. Mein Motto ist: Wer was gucken will, muss erst mal leiden. Dann macht das Filmsehen umso mehr Spaß, weil man es sich so richtig verdient hat.

— Aufgezeichnet von Anne-Dore Krohn

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