Kultur : Tod & Lob

Cordula Däuper

Auch das Auge hört mit: Gemessenen Schrittes kommen die Sängerinnen und Sänger der Berliner Singakademie auf die Bühne. In schwarzen Kutten mit weiten Ärmeln nehmen sie - über hundert Personen - zeitgleich Platz. Gespannte Konzentration. Im Konzerthaus am Gendarmenmarkt wird ein Mozart-Abend gegeben. Zu Beginn erklingen Chöre und Zwischenaktmusiken zum heroischen Drama "Thamos, König in Ägypten" des Dichters T. Ph. Freiherr von Gebler. Der Schauspieler Dieter Mann bemüht sich als Sprecher, die Beziehungen der dramatischen Figuren darzustellen - doch sind die soapopera-ähnlichen Verstrickungen beim ersten Hinhören kaum durchschaubar. Verdächtigungen, Schwüre, ein Geständnis. Es geht um Liebe und Macht - die Themen, aus denen heute wie damals Geschichten gemacht sind. Hier will sich aber weder durch den Sprecher am Mikrofon (!) noch durch die Gesangssolisten und den Chor eine theatralische Stimmung einstellen. Auch wenn - inhaltlich - am Ende zwei Figuren ganz dramatisch sterben.

Viel plastischer und stärker wird das Konzert im zweiten Teil. Mozart selbst zeigt in seiner Messe in c-Moll, wie situativ und theatralisch er auch für das Konzert-/Kirchenpodium komponieren kann. Hier nehmen die Musiker vom Orchester der Komischen Oper die Kraft der Aussage auf und werden zu Agierenden, zu Protagonisten. Unter der soliden Leitung des Singakademie-Chefdirigenten Achim Zimmermann spielt das Opernorchester klangvoll auf. Einige kleine Unaufmerksamkeiten - warum kann man das Werk nicht gemeinsam beginnen? - fallen jedoch unangehenm auf. Sehr angenehm bleiben dagegen die Koloraturen der Sopranistinnen Brigitte Geller und Anna Korondi im Ohr.

In der Messe gibt es keine personellen Verwirrungen, alles steht zum Lobe Gottes: "Gloria in excelsis Deo". Der Chor singt sich in Ekstase und zum Schluss klappen alle wiederum ganz synchron die Noten zu. Ein Erlebnis für viele.

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