Kultur : Töne sagen mehr als tausend Worte

NEUE MUSIK

Carsten Niemann

Noch bis zum 28. Januar findet im Haus der Kulturen der Welt das „ transonic Musikfestival “ statt. Drei Schneisen schlägt es durch den multikulturellen Musikdschungel. Erste Schneise: neue experimentelle Musik nicht-westlicher Kulturen zu präsentieren. Auf der Eröffnungskonferenz erzählt der Libanese Sharif Sehnaoui, wie er sich von den Traditionen des Blues und Rock abwandte. Und durch die freie Improvisation die Entscheidung zwischen angloamerikanischer Kultur und toter Folklore verweigerte. Doch ist eine derartige Identität tatsächlich voraussetzungslos? Darüber wird nicht auf dem Podium gestritten. Sondern im Internet (www.hkw.de/transonic). Hier schlagen geistreiche Diskutanten – als zweite Schneise – individuelle Wege durch den Urwald der Konzepte zwischen Moderne und Tradition.

Die Diskussion auf dem Podium aber findet musikalisch statt. „Begegnungen zwischen Komponisten und Musikern westlicher und nicht-westlicher Kontexte schaffen“ heißt nämlich das dritte Ziel. An diesem Abend bedeutet das: Improvisieren in wechselnden Besetzungen. Ob Geräusch oder Linie, Ganzton oder Mikroton: die Musiker wirken erstaunlich sicher in ihrer spontanen lingua franca. Ein Blick in die Musik der Zukunft? Nur bedingt: Diese Art Kommunikation ist zwar lebensnaher als mancher Kompositionsauftrag. Doch manches geniale produktive Missverständnis der Kulturen (wie etwa der finnische Tango) ließe sich gar nicht fördern. Der zärtliche Respekt aber, mit dem sich die Weltmusiker aufeinander einschwingen: er lässt wünschen, dass solche Improvisationen als Ritual vor schwierigen internationalen Verhandlungen gespielt würden. Nur um zu zeigen, wie es auch geht.

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