Kultur : Toll in Moll

Berlin ist bei den Museen der Welt so beliebt wie lange nicht mehr: Die Häuser von Tokyo bis Barcelona reißen sich um Übernahmen Berliner Ausstellungen. New Yorks "Museum of Modern Art" wird im Frühjahr 2004 seine Schätze in Berlin präsentieren, das Pariser "Centre Pompidou" denkt "sehr ernsthaft" über eine Dependance in der deutschen Hauptstadt nach, wie nun Generaldirektor Peter-Klaus Schuster bestätigt (vgl. Tagesspiegel vom 31. Januar). Auch das internationale Museumsinsel-Kuratorium ist besetzt mit den Direktoren des British Museums, des Louvre, der Eremitage, des "Museum of Modern Art" und des Guggenheim. Das international mit Spannung beobachtete Ausbauprojekt in Berlins Mitte etabliert die Stadt als attraktiven Kooperationspartner für die Museen der Welt.

Zur gleichen Zeit tut sich Deutschland schwerer denn je mit der Definition der kulturellen Rolle seiner Hauptstadt. Das Zögern der Länder bei der Gründung einer Bundeskulturstiftung wie bei der Beteiligung an der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Diskussionen über Entflechtung oder Mischfinanzierung, das sture Pochen auf den überkommenen Traditionen des Föderalismus läuft Gefahr, in der Außenwirkung als rückständig zu erscheinen: falls wegen föderaler Bedenken oder Eifersüchte ein Projekt scheitert, das außerhalb Deutschlands als besonders zukunftsträchtig wahrgenommen wird. Statt der Internationalisierung droht eine Provinzialisierung. Und am Interesse der Besucher, die in die glanzvoll renovierten Häuser strömen, ohne zu fragen, mit welchen staatlichen Kompetenzen sie betrieben werden, gehen solche Diskussionen in jeder Hinsicht vorbei.

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