Kultur : Tontüftler

Der Pianist Alfred Brendel feiert 75. Geburtstag

Frederik Hanssen

Wenn am 27. Januar Mozarts 250. Geburtstag gefeiert wird, gehört natürlich auch Alfred Brendel zu den Gratulanten. Mit einer Neueinspielung der Klavierkonzerte KV 414 und KV 453, begleitet von Charles Mackerras und dem Scottish Chamber Orchestra, sendet er seinen klingenden Gruß auf Brendel’sche Art: bedächtig im allerbesten Wortsinn. Jeder Ton ist hier sorgfältig abgewogen, jedes Detail mit Blick fürs Ganze gesetzt. Brendels Mozart ist wahrlich der Antipode von Milos Formans giggelndem Amadeus. Eine Lesart jenseits aller Moden oder individualistischen Exzesse, ein intimer Dialog des Interpreten mit seinem Komponisten, geprägt von Respekt, Neugier und Zuneigung. Eine Aufnahme mit bleibendem Wert, mindestens bis zum 300. Mozart- Geburtstag.

Alfred Brendel, der heute 75 Jahre alt wird, hat immer dafür plädiert, sich aufs Wesentliche zu beschränken. Schließlich sei das erstklassige Repertoire „wirklich groß genug, um sein ganzes Leben damit zu verbringen“. Seitdem beschäftigen ihn vor allem die Sonaten und Klavierkonzerte Beethovens, außerdem Mozart, Schumann, Brahms, die späten Sonaten von Schubert und vom allzu oft unterschätzten Haydn, für den er ebenso viel getan hat wie für die Wiederentdeckung Franz Liszts. Das Künstler-Credo, wieder und wieder dieselben Werke zu befragen, um zu letzten Wahrheiten vorzustoßen, zeugt von tiefer Liebe zum Gegenstand sowie von Selbstdisziplin. Denn es ist keinesfalls so, dass den 1931 in Nordmähren geborenen Sohn aus bürgerlichem Hause nicht auch Malerei, Architektur, Theater, polnische und tschechische Literatur interessierten. Doch Alfred Brendel erkannte früh, dass er sich beschränken musste, um jene Art von Meisterschaft zu erreichen, die er bei seinen Vorbildern Wilhelm Kempff, Edwin Fischer und Alfred Cortot, aber auch bei Furtwängler oder Klemperer bewundert.

Der bekennende Kosmopolit, der 1971 London zum Wohnsitz wählte, ist keiner, der sich hinter seinem Flügel verschanzt. Sechs Bücher sind inzwischen von ihm zu haben. Es begann 1977 mit einer Aufsatzsammlung, in der er Gedanken über seine Lieblingskomponisten zusammenfasste; zuletzt erschien Über Musik. Gesammelte Essays, Vorträge und Reden (Piper, 2005). Vor vier Jahren überraschte der Pianist mit einem Band absurder Gedichte, dem drei weitere folgten. Brendels Behauptung, die Verse über „Störendes Lachen während des Jaworts“ fielen ihm quasi im Halbschlaf zu, mag man kokett nennen: Für einen skeptischen Feingeist wie ihn ist es die zweifellos eleganteste Art, sein Leiden an der Absurdität der „Welt da draußen“ zu verarbeiten.

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