Kultur : Top Five

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ALL THAT JAZZ

Christian Broecking verspricht

eine Woche voller Höhepunkte

Beim letzten Deutschen Jazzfestival Frankfurt war er die Sensation. Eigentlich nur mitgekommen als populärer Sideman einer Gitarrenrockband, schaffte er eine Atmosphäre, als hätten John Lee Hooker und John Coltrane sich hinter der Bühne versteckt, um Spaß und Spirit zu tanken. Archie Shepp sang und spielte als hätte er den Blues gerade erst erfunden. Bei Universal ist gerade sein Meisterwerk „Attica Blues“ wiederveröffentlicht worden, eine politisch motivierte FreeJazz-Orchester-Aufnahme aus dem Jahre 1972. Mit seinem Quartett spielt Shepp am Dienstag im Quasimodo (22 Uhr).

Mit dem Shepp-Konzert beginnt quasi ein informelles Jazzfestival, das sich die nächste Woche über verschiedene Spielorte in der Stadt zieht. Der Posaunist und Sänger Nils Landgren kommt am Mittwoch mit einer Clubausgabe seines Balladenprogramms „Sentimental Journey“ ins Quasimodo (22 Uhr). Am Donnerstag steht dann sein Freund Roy Hargrove auf der Quasi-Bühne (ebenfalls ab 22 Uhr), diesmal mit einer prominenten Umbesetzung seines Youngster-Quintetts. Nachdem der Pianist Larry Willis die Band verlassen hatte, bekam Hargrove hörbar Probleme mit seinen jungen Musikern. Bei seinem letzten Auftritt in Berlin kannte der Pianist kaum die Stücke, schon ziemlich peinlich irgendwie. Jetzt hat Hargrove den Pianisten Ronnie Matthews verpflichtet und vielleicht schafft er es ja, dem Trompeter zu seiner in letzter Zeit selten herausgeforderten Bestform zu verhelfen.

Am Freitag geht es dann endlich mal wieder in die Philharmonie . Ja, der Laden zählt nach wie vor zur Top 5 der gut klingenden Musiktempel, und, ja, schade dass das JazzFest da nicht mehr wohnt. Dass die „Jazz-Nights“ sich trauen, den großen Saal mit einem Duo zu bespielen, gehört schon kräftig in die „Achtung-Geschäftsrisiko“-Kategorie. Zu wünschen wäre es dem Dreamteam Charlie Haden und Pat Metheny jedenfalls, dass „Beyond The Missouri Sky“ nun live die Beachtung findet, die der gemeinsamen CD vor sechs Jahren versagt blieb. Die fünffache Grammygewinnerin Norah Jones ist mit ihren balladesken Country Songs im New Yorker Downtown-Format für die beiden sogar zur Hoffnungsträgerin dafür geworden, dass auch gut gemachter, populär produzierter Jazz wieder eine Chance hat. Haden glaubt, dass „allein der Versuch, ehrliche Musik zu machen, schon eine Form des Kampfes ist. Dass durch Musik auch politisch kommuniziert werden kann – auch ohne gesungenen Text.“ Metheny und Haden spielen am Freitag um 20 Uhr in der Philharmonie.

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