Kultur : Topographie des Errors

Falk Jaeger

Weshalb der Architekt Peter Zumthor an der „Topographie des Terrors“ gescheitert ist? Sein Auftritt in der Berliner Akademie der Künste brachte letzte Gewissheit. Wenn das Publikum anfangs dem Prediger gebannt an den Lippen hing, so kippte die Stimmung, als der zurückgetretene Direktor der Stiftung, Reinhard Rürup, dem salbungsvollen Vortrag des Schweizer Baukünstlers einige harte Fakten nachschob. Nun, da Berlins Senat nach enervierendem Ringen um Zumthors unbezahlbare weiße Betonstelenarchitektur die Notbremse gezogen hatte, sagt dieser: „Da hätten wir schon noch etwas zum Streichen gefunden.“ Und plötzlich, nach elf Jahren Planungsdrama, hat er eine kostengünstige Glasmontage entdeckt – einen simplen Trick übrigens, den jeder Glaser kennt. Naheliegende Vorschläge, den Bau aus Holz zu errichten, wies er ebenso brüsk ab wie die Millionen sparende Idee, die Betontreppenhäuser zur Aussteifung zu benutzen. „Da arbeiten Sie zehn Jahre, und dann müssen Sie sich rechtfertigen!“, empörte er sich. Ja, Zumthor, wer Millionen an öffentlichen Geldern verbauen will, muss sich allerdings Fragen gefallen lassen. Etwa nach dem Nutzwert – und Rürup verwies auf die vom großen Architekten ignorierten praktischen Anforderungen an eine Dokumentations- und Gedenkstätte. Doch konkrete Anwürfe tat Zumthor ab: „Herr Rürup, das war eine Leidensgeschichte, für Sie und für mich. Es war schrecklich, für alle!“ So viel theatralisches Selbstmitleid, wo es um die Erinnerung an den NS-Terrors geht, auch das ist eine Warnung.

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