Topographie des Terrors : Verseuchtes Gelände

Der Neubau der Berliner Topographie des Terrors ist nahezu fertiggestellt. Ein erster Rundgang.

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Flach gebaut. Die neue Topographie des Terrors (r. hinten). -Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Flach liegt der Neubau der Topographie des Terrors inmitten des historisch kontaminierten Geländes. Andreas Nachama, der Direktor der Stiftung Topographie, weist den Weg durch den Hintereingang; oben wird gerade die Eingangsterrasse montiert. Im Inneren tun sich erstaunlich lichte Räume auf, und durch die vorgehängten Sonnenblenden lässt sich zwar kaum hinein-, gut aber hinausblicken: da die Wilhelmstraße, da das ehemalige Reichsluftfahrtministerium und davor der Rest DDR-Mauer, links das Abgeordnetenhaus, ein Bau der Kaiserzeit. Mehr deutsche Geschichte ist kaum sonst in Berlin. Mehr NS-Belastung schon gar nicht.

Die Architektin Ursula Wilms aus dem Büro Heinle, Wischer und Partner, Siegerin des Wettbewerbs von 2006, hat einen quadratischen Bau von 50 mal 50 Meter Seitenlänge entworfen, angeordnet um einen zentralen Lichthof. Im Untergeschoss gruppieren sich Bibliothek, Seminarräume und die Büros der 17 Stiftungsmitarbeiter um den Hof, im Hauptgeschoss befinden sich der 800 Quadratmeter große Dauerausstellungssaal mit Blick zur einstigen preußischen Regierungsmeile Wilhelmstraße, dann der 200 Quadratmeter große Wechselausstellungsraum, das 199 Plätze fassende Auditorium und schließlich eine Cafeteria – steter Wunsch der Besucher, deren Zahl sich seit langem bei einer halben Million im Jahr eingependelt hat.

„Es war die schlimmste Zeit meines Lebens“, denkt Nachama an die quälende Auseinandersetzung um den ästhetisch höchst beeindruckenden, nur leider nicht realisierbaren Vorgängerentwurf des schwierigen Schweizers Peter Zumthor zurück. Die bereits in Beton gegossenen Treppentürme mussten abgerissen, ein neuer Wettbewerb musste gestartet werden. Und von 38 Millionen Euro, die Bund und Land für den Neubau, den eigentlichen Erstbau der Topographie bewilligt hatten – ursprünglich waren es 38 Millionen DM, also wertmäßig die Hälfte –, waren 12,2 Millionen nutzlos vertan.

Von den restlichen 24,8 Millionen Euro aber ist nun ein höchst funktionales, in seinem zurückhaltenden Auftreten der Bürde des Ortes angemessenes Gebäude entstanden. Um den 8. Mai herum soll es eröffnet werden, wie Nachama dem Tagesspiegel erläutert. Ende Februar soll der Umzug aus den Mieträumen der Stiftung anlaufen, die Bibliothek bleibt bis 10. April am bisherigen Standort Stresemannstraße 111 geöffnet.

Von dort blickt Nachama auf den Martin-Gropius-Bau, in dessen Schatten 1987 der erste, spontane Anlauf zu dem getan wurde, was heute als Stiftung Topographie des Terrors aus Berlin nicht mehr wegzudenken ist. „Trotz Eis und Schnee – die Leute kommen“, zeigt sich Nachama zufrieden mit dem wetterunabhängigen Interesse für den Ort der Täter, dessen Spuren hier zu ergründen sind, von Mai an mit einem Geländerundgang mit 15 Stationen, die die Vor-, aber auch die Nachgeschichte des „Dritten Reiches“ einbeziehen. Schließlich dräut der Mauerrest ausgerechnet über den Fundamenten der Gestapo-Zentrale an der einstigen Prinz-Albrecht-Straße.

So kommt nun nach einem windungsreichen Weg zu einem guten Ende, was zwischenzeitlich bereits auf einer Einsparliste des Berliner Senats gestanden hatte. 1996 verhinderte der verstorbene Ignatz Bubis, dass es soweit kam. Erneut geriet die Topographie ins Trudeln, als sich die Unbaubarkeit des Zumthor-Entwurfs abzeichnete. 1999 ließ sich Zumthor, Zigarre in der Hand, gleichfalls im Berliner Schnee für ein Magazin ablichten, während im Hintergrund seine Treppentürme in die Höhe wuchsen. 2004 war die Geduld der Politiker erschöpft. Zumthor wurde verabschiedet, die Türme mussten beseitigt werden, und die Wettbewerbssiegerin von 2006, Ursula Wilms, musste bei Null neu beginnen. Doch so viel steht nach der Vorbesichtigung fest: Es hat sich gelohnt. Die Zukunft der Topographie ist so hell wie der Schnee ringsum. Bernhard Schulz

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