TOR! : Schwitzen für Afrika

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Das Tor ist nicht zu verfehlen und für Treffer aller Art bestens geeignet; die Einheimischen verabreden sich hier ebenso wie die Gäste aus aller Welt. Allerdings ist es als Bollwerk in die Geschichte eingegangen, handelt es sich streng genommen doch um ein Doppeltor. Trutzig, uneinnehmbar und pechrabenschwarz steht es da. Die Trierer nennen es einfach die Porta und rätseln über seine wahre Bewandtnis.

Porta Nigra, das schwarze Tor. Das größte antike Tor nördlich der Alpen, 180 n. Chr. als einer von vier Zugängen zur römischen Stadt Augusta Treverorum aus riesigen, bis zu 6 Tonnen schweren Quadern erbaut. Unverfugt, mit Eisenklammern statt Mörtel. Ob es vor allem zu Verteidigungszwecken oder eher aus repräsentativen Gründen errichtet wurde, schon darüber herrscht Uneinigkeit bei den Kommentaren, die es gelegentlich auch Tor Martis nennen, Kriegstor, wegen der bestens trainierten Kader, die von hier aus ihre Feldzüge starteten und hierher siegreich zurückkehrten. Das Bollwerk als Triumphbogen.

Trierer Schulkinder lernten früher, zu Kaiser Constantins Zeiten hätten die Römer, diese Welteroberungsmeister, in der Moselstadt nicht nur die afrikanischen Provinzen verwaltet, sondern auch ihre Mannen für Afrika ausgebildet, wegen des im Talkessel gerne mal feuchtheißen Klimas. Wer hier schwitzt, schafft es auch auf dem schwarzen Kontinent.

Seinen Namen trägt das Tor aber nicht deshalb. Auch nicht, weil der Feind von der Einnahme der Porta im Ernstfall mit Teer, Pech oder siedendem Öl abgehalten wurde. Inneres Tor zu, Feind stürmt Tor, äußeres Tor auch zu, und die Schützen in den Wehrgängen beballern den Strafraum im Tor-Inneren mit allem, was heiß und unausweichlich ist. Die spinnen, die Römer. Schwarz heißt das Tor vermutlich einfach nur wegen des Baumaterials, des schon früh verwitterten Sandsteins aus dem nahe gelegenen Kylltal.

Auch seinen Torhüter hat die Porta. Simeon, ein Eremit aus Syrakus, 11. Jahrhundert. Hat sich einfach im Tor verbarrikadiert und eingemauert, auf dass garantiert keiner ihn treffen möge. Sein Freund Bischof Poppo sorgte nach dessen Tod für die Heiligsprechung des Einsiedlers und ehrte ihn mit einer Doppelkirche auf und in der Porta Nigra. So ist sie manchen bis heute heilig, auch wenn Napoleon das Tor wieder aufmachte und besagte Trierer Schulkinder bei Erwähnung des Bischofs schnell zu kichern anfangen. Poppo und Simeon standen sich nahe, sagen die Experten. Die Männerbünde und ihre Erotik hinter verschlossenen Toren – schon damals ein weites Feld.

Bisher in unserer Tor-Serie erschienen: der Torschluss (13.6.), die Torgesänge der Vuvuzela (15.6.), das Schlesische Tor (17.6.).

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