Tori Amos im Interview : Plötzlich war Tori zu fünft

Die US-Sängerin Tori Amos veröffentlicht am 27. April ihr neuntes Album "American Doll Posse". Die Platte ist ein großes Medienprojekt - ein Projekt, das im Internet seine Fortsetzung findet.

Berlin - Fast könnte man denken, Tori Amos ("Cornflake Girl") sei zur multiplen Persönlichkeit geworden. Auf ihrem neuen Album "American Doll Posse" schlüpft die US-Sängerin in fünf verschiedene Frauenfiguren: Sie singt als Tori, als Isabel, als Clyde, als Pip, als Santa. Diese Frauen mit unterschiedlichen Charakteren seien "plötzlich aufgetaucht", sagt die Priestertochter.


Die Idee zu diesen vermeintlich fünf Sängerinnen müssen Sie genauer erklären...

Als ich mit der Arbeit an der Platte begann, stellte die Produzentin in mir fest: Das hier ist nicht die Stimme von nur einer Frau. In einigen Songs sah ich eine Verbindung zu mir, in anderen wiederum aber nicht. Ich begann, sie zu kategorisieren. Und dabei stellte ich nach und nach fest: Es gab eine Trennung in der Musik - also musste es auch eine Trennung der Interpreten geben.

Merkt der Zuhörer sofort, welche Frau gerade singt?

Ich wäre überrascht, wenn jemand es ohne die Informationen im Cover-Artwork der Platte erkennen könnte. Darin steht, welche Frau welchen Song singt.

Was bedeutet dieses Fünf-Frauen-Konzept für Sie persönlich?

Dieses Album ist keine Singer-Songwriter-Platte, sondern eine Platte von Tori in Zusammenarbeit mit anderen Musikern in einem Bandkontext. Diejenige, die wir Tori nennen, findet das in Ordnung: Ich glaube, sie brauchte eine Pause und wollte eine Veränderung. Sie hatte das Singer-Songwriter-Ding gemacht und das Mutter-Ding. Die anderen Mädels kamen also zu einem guten Zeitpunkt für sie.

Sie sollen für das Album auch von der griechischen Mythologie inspiriert worden sein.

Alle Arten von Mythologie faszinieren mich, vor allem im Zusammenhang mit Frauen. Ich kann nicht akzeptieren, dass die biblischen Überlieferungen über Frauen alles sein sollen. Es gibt in jedem Kulturkreis noch mehr Geschichten. Ich musste über das Christentum hinausgehen. Ein Grund für die Produktion von "American Doll Posse" war auch, dass wir uns gegen die rechtskonservativen Christen in den USA erheben müssen. Als Tochter eines Priesters kann ich nicht akzeptieren, wie sie das, was Jesus predigte, verdrehen.

"American Doll Posse" ist ein großes Medienprojekt: Jede Frau hat ihren Blog mit Fotos und Songs, und Sie schreiben Geschichten für sie.

Das Internet bietet die Möglichkeit, dass ein Projekt nicht mit der Veröffentlichung einer CD abgeschlossen ist. Es ist der Anfang. Mit der Tournee werden sich die Geschichten der Frauen ändern. Bei einigen weiß ich, wohin das führt, bei anderen nicht.

Wie wollen Sie Tori, Isabel, Clyde, Pip und Santa bei Ihren Konzerten auf die Bühne bringen?

Tori ist diejenige der fünf Frauen, die jeden Abend auf der Bühne steht. Dann hängt es von der Stadt und der Stimmung ab, welche weitere Frau auf der Bühne auftauchen wird.

Wie sehen Sie die Zukunft ihrer unsichtbaren Bandkolleginnen?

Es fragte mich bereits jemand nach Pip's Soloalbum. Man weiß nie, was passiert. Alle guten Geschichten müssen irgendwann enden, selbst "Harry Potter". Ich habe keine Pläne. Aber ich kann versprechen, dass es nicht "American Doll Posse Teil 7" geben wird.

Und was kommt dann danach?

Ich habe mit einem britischen Theatermacher zusammengearbeitet und wir werden sehen. Wir wollen irgendwas zusammen machen. Ich werde etwas für die Bühne komponieren. Ich wollte immer ein Musical schreiben. Das könnte eine Art Anfang sein.

Das Interview führte Nadine Emmerich, ddp ()

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