Kultur : Tot & frisch

„Dänische Delikatessen“ von Anders Thomas Jensen

Daniela Sannwald

Tofu-Wurst und andere Als-ob-Produkte für Vegetarier oder wenigstens ökologisch korrekt gezüchtete Neuland-Rinder kommen einem in den Sinn, wenn der Originaltitel des Films – „Die grünen Schlachter" – über die Leinwand flimmert. Grün aber ist nur die Beleuchtung im Kühlhaus und in den gekachelten Räumen der neuen Metzgerei, die Svend und Bjarne in einer Kleinstadt eröffnen. Grünlich wirken auch deren Teints, Kittel, Mützchen und das Fleisch, das sie verkaufen wollen. Kommt wohl vom Licht.

Bloß Kunden haben sie keine, weil ihr alter Chef, ein Spezialist in Rehwürsten und Mitglied des Rotary-Clubs, gegen sie Stimmung macht. Da schmilzt das Selbstvertrauen der beiden Jungunternehmer so schnell dahin wie das Geld, das sie zusammengekratzt haben. Vor lauter Sorgen vergessen sie, dass der Elektriker noch im Kühlhaus arbeitet und schließen den Laden zu. Am nächsten Tag finden sie ihn dort: tot, aber frisch. Svend tut, was ihm für solche Fälle zu Gebote steht: ausweiden, entbeinen, marinieren. Die Kundschaft steht Schlange. Und da der Vorrat irgendwann zu Ende geht, muss Nachschub besorgt werden, genau.

Untersichten verzerren die Perspektiven, extreme Nahaufnahmen zeigen großporige, schwitzende Haut oder eben gefrorenes Fleisch, behandeln Mensch und Haustier als Schlachtvieh. Zum grotesken Personal des Films gehören eine niedlich-blonde Totengräberin, ein kannibalischer Pfarrer und ein scheintoter Vegetarier, alles sehr weit hergeholt und doch auch sehr vorhersehbar.

Anders Thomas Jensen, Drehbuchautor einiger Dogma-Filme, knüpft als Regisseur an die coole Werbeclip-Ästhetik französischer Produktionen wie „Delicatessen“ an. Um von deren Hipness-Faktor zu profitieren, heißt der Film hierzulande wohl auch „Dänische Delikatessen“. Tatsächlich handelt es sich um Junk Food: schnell konsumierbar, schwer verdaulich. Vom üblen Nachgeschmack ganz zu schweigen.

Kulturbrauerei, Moviemento, Kant

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