''Total Bossa'' : Die Geburtstagsfeier des Bossa Nova

Mit dem Festival "Total Bossa" verneigt sich die Musikszene vor einem einzigartigen Lebensgefühl. Zwei bekannte brasilianische Musiker geben an diesem Wochende ihr allererstes Deutschlandkonzert. Dazu legt das DJ-Kollektiv Jazzanova ihren elektronischen Bossa-Beat im Cookies auf.

Matthias Lehmphul,Marcio Damasceno
Miucha
Miúcha spielt am Freitag im Babylon-Mitte. -Foto: Promo

Nicht nur die Popikonen Michael Jackson, Prince und Madonna werden in diesem Jahr 50, sondern auch der Bossa Nova. Jene brasilianische Musik, die Blues, Jazz, Samba und afrikanische Rhythmen auf so einzigartige Art und Weise vereinigt. João Gilberto gilt als sein Urvater. Ende der 50er Jahre revolutionierte er mit seiner sanften Stimme und dem seichten Schlag auf die Seiten seiner Gitarre die Musikszene in Rio de Janeiro.

Anlässlich dieses so besonderen Jubiläums konnten die Musikliebhaber dieses Jahr schon viel lesen und hören. So veröffentlichte der Startrompeter Til Brönner im September sein neues Album "Rio", eine Hommage an den Bossa Nova. Aber eigentlich gehört zu einem goldenen Jubiläum auch eine anständige Geburtstagsfeier. Den Berlinern wird an diesem Wochenende ein reichhaltiges Festprogramm mit dem Festival "Total Bossa" geboten.

Die Helden der Nacht

"Als Musikliebhaber kommt man am Bossa Nova nicht vorbei", meint Alexander Barck von Jazzanova. Das Kollektiv gehört zu den Musikproduzenten, die den Bossa Nova nicht nur in Deutschland, sondern weltweit in der Clubszene in den 90ern wieder belebt haben.

Aber Bossa Nova ist mehr als nur Musik. Er wurde aus einem Lebensgefühl heraus geboren. Das Nachtleben an der Copacabana sowie in den benachbarten Stadtteilen Ipanema und Leblon in den 50er Jahren war legendär. Ohne es wirklich zu wissen, waren Antonio Carlos Jobim und Vinícius de Morães die Helden der Nacht. "A Garota de Ipanema" ("The Girl from Ipanema") ist ihr bekanntester Song, den die beiden während einer ihrer unzähligen Partys in den geliebten Eckkneipen und Wohnzimmer ihrer Freunde dichteten. 1962 traten Jobim und Gilberto mit ihren Freunden in der Carnegie Hall in New York auf. Über Nacht wurde der Bossa Nova weltberühmt. Zu ihren Verehrern zählten Sarah Vaughan, Stan Getz, Frank Sinatra und Ella Fitzgerald. Sie nannten ihn den "New Brazilian Jazz".  

"Aus dem Besuch wurde schnell eine Party"

Eine, die damals sehr genau zuhörte, war Miúcha. Sie ist die ältere Schwester des Singer-Songwriters Chico Buarque und gehörte selbst zu den direkten Erben der Poeten Jobim und de Morães. "Jedes Mal, wenn Vinícius bei uns aufgetauchte, hatte er seine Gitarre dabei und aus dem Besuch wurde schnell eine Party. Wir Kinder haben auf diese Weise sehr früh Lieder gelernt, die heute Klassiker der brasilianischen Musik sind," bemerkt die Sängerin schmunzelnd. In den siebziger Jahren nahm Miúcha zwei Alben gemeinsam mit dem Jobim auf. Danach ging sie sogar mit ihm, Vinícius und Toquinho auf Tournee.

Miúcha war schon einmal in Berlin - allerdings nicht auf der Bühne. "Vor etwa 40 Jahren wollte ich mit João (Gilberto) und Bebel auf die andere Seite der Mauer, aber es hat  leider nicht geklappt", erinnert sie sich. Ihr Konzert am Samstag im Babylon-Mitte ist somit eine Deutschlandpremiere. Miúcha stellt die Klassiker des Bossa Nova vor. Dazu gehören große Hits wie "Desafinado", "Fotografia" und "Samba do avião". Ihr Best of Album "Miúcha com Vinícios, Tom, João" erzählt die Geschichte des Bossa Nova nach. In ihren Liedern spiegeln sich die Sehnsucht nach etwas Unerreichbaren und die Lebenslust dieser Generation des Bossa Nova wieder. Auf ihre Stimme dürfen die Berliner gespannt sein.

Verneigung vor einem Lebensgefühl

Ein weiteres hochkarätiges Konzert findet am Sonntag im Club Tausend am Schiffbauerdamm statt. Donato gehört ebenfalls zur Keimzelle des Bossa Nova. Zusammen mit João Gilberto komponierte er "Minha saudade". Seine beiden Bossa-Piano-Trio-Alben zu Beginn der sechziger Jahre definierten das Genre. In den USA spielte er mit mit Chet Baker, Bud Shank und Cal Tjader. Dort entstand auch 1970 das Fusion-Funk-Monster "A Bad Donato". Die Songs seines Albums "Lugar comum" schrieb er 1975 zusammen mit Gilberto Gil. Sein erster Auftritt in Deutschland darf durchaus als Sensation gewertet werden.

Auch Jazzanova verneigen sich vor dem Bossa Nova und feiern mit. Sie selbst legten ihre Platten in den Clubs von Rio de Janeiro auf. Dabei gaben die Berliner ihre Reflexionen über das brasilianische Lebensgefühl dorthin zurück, wo der Bossa Nova einst geboren wurde. Am Samstag stellen sie im Cookies ihre neue Platte "Of All The Things“ den Berlinern vor.  


Freitag, 14. November 2008, 21.30 Uhr

– Miúcha und Band, Babylon-Mitte (Rosa-Luxemburg-Straße 30)


Samstag, 15. November 2008, 23 Uhr

- Jazzanova Record Release Party und Bossa Nova Jubiläums Lounge, Cookies (Friedrichstraße/ Unter den Linden) 


Sonntag, 16. November 2008, 21.00 Uhr

– João Donato, Tausend (Schiffbauerdamm 11)


Mehr zum Festival "Total Bossa" finden Sie im Internet unter: http://www.crk-communication.com

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