Kultur : Total vercoolt

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Alexander Visser über

Männer mit dicken Uhren

Buttons sind plötzlich wieder cool, wie man sie schon in den Siebzigern an die Parkas heftete. Und es ist cool, mit dicken Filzstiften Slogans auf die eigene Umhängetasche zu malen. Haare in Männergesichtern sind cool. Auch eine dicke Armbanduhr, mit der man 200 Meter tief tauchen kann, ist ein zulässiger Persönlichkeitsverstärker. Selbst wenn man gar nicht taucht. Sagt jedenfalls Trendforscher Carl Rohde. Am Donnerstag war er in die „Lounge Fritz Fischer“ im Berliner UniversalGebäude gekommen, um seine neueste Untersuchung vorzustellen.

Marketing-Manager und Werbestrategen müssen wissen, was junge Menschen cool finden, weil sie nur dafür ihr Geld ausgeben. Da sie aber zu viel arbeiten, um selber feststellen zu können, was Trend ist, beauftragen sie dafür Institute wie das von Rohde, der zusammen mit der PR-Agentur Knowlton & Hill die weltweite Studie „Global Cool Hunt“ erstellt hat. Rohde schickt Studenten los, die in Bars, Clubs und Shops gehen, um Dinge cool zu finden. Die berichten dann etwa Folgendes: „Jessica Schwarz ist cool, weil sie einen sehr natürlichen und oft typisch alternativen, aber sehr urbanen ,Berlin Style’ trägt.“ Soso.

Frauen sind weiter auf dem Vormarsch, haben die Trendforscher ermittelt. Egal, ob sie sich gerade im aggressiven Punk-Look präsentieren oder in einem „soft moment“ romantischen Plüschdesigns zuwenden. Beide Seiten der Weiblichkeit betrachtet die Zielgruppe der 18- bis 35-Jährigen als cool. Für Männer wird es dagegen hart. Cool ist, wer sich liebevoll um Haushalt und Kinder kümmert und gleichzeitig als sexy Pin-up herhalten kann. Das verwirrt die Männlichkeit. Doch das Schöne am Kapitalismus ist ja, dass er zwar eine Menge Widersprüche schafft, aber auch die Produkte hervorbringt, mit denen wir sie überwinden. 2004 dürfen sich Männer mit den Symbolen vergangener Herrlichkeit über ihre Verwirrung hinwegtäuschen: Bärte, Hüte und dicke Uhren dürfen wieder getragen, dicke Zigarren geraucht werden. Wem das zu retro ist, der kann sich auch mit Make-up für Männer den neuen Zeiten stellen. Oder Männer flüchten sich in den Sport – Surfen und Skateboards sind besonders trendy.

Aber bitte nicht alles auf einmal – bärtige Zigarrenraucher mit Hut, die hinter dem Kinderwagen herskaten, finden wahrscheinlich selbst Trendforscherinnen im typisch alternativ-urbanen ,Berlin Style’ nicht sexy.

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