Tournee : Vermüllter Globus - Helge Schneider rettet die Welt

"Akopalüze Nau!!!" - ein Ausruf den nur Helge Schneider erfinden kann, wenn es darum geht, sein neues Programm zum Thema Weltuntergangsszenarien vorzustellen. Ab Dezember ist der fünffache Vater wieder auf Tour.

Christiane Jacke[ddp]
Helge Schneider Foto: ddp
Wider dem tierischen Ernst: Helge Schneider ist bald wieder auf Tour. -Foto: ddp

Berlin Helge Schneider ist wie immer gut unvorbereitet. "Ist denn hier keiner, der was sagt?" eröffnet der Komiker die Vorstellung seiner anstehenden Tournee. Wortkarg bleibt er trotzdem nicht. Ungebremst erzählt der 52-Jährige von seiner jüngsten Tochter Frieda, von Bienen, Lebkuchenhäusern, Stunden im Stau - und vergisst darüber immer wieder, von seiner Tour zu sprechen. Improvisieren und abschweifen gehört zu seinem Job.

Ab Mitte Dezember tut er das wieder auf Bühnen in ganz Deutschland, allein 15 Abende davon in Berlin. Blaue Trainingshose, ausrangiertes Nadelstreifensakko, langer Wollschal und karierte Schlappmütze mit Ohrenklappen - der Musiker erscheint genau so, wie er auch "zum Elternabend der Kinder gehen würde", sagt der fünffache Vater. Seine glitzernden Plateauschuhe hat er zu Hause gelassen und trägt statt dessen Wanderstiefel. Sein Bühnenoutfit für die aktuelle Show hat er trotzdem dabei. Aus einer braunen Ledertasche zaubert er Tanzschuhe, Sonnenbrille, eine Glatze, rote Clownsnase, eine gepunktete Fliege sowie eine abgeschnittene Krawatte - sein "Synonym für Zerstörung".

Schneider-Slang: "Akopalüze Nau!!!"

Immerhin geht es bei seiner aktuellen Tour um Apokalypse, Weltuntergangsszenarien, um kulturelle Zerstörung und gesellschaftlichen Verfall - im Schneider-Slang "Akopalüze Nau!!!". Ein großes Thema für einen lustigen Liederabend - Schneider versucht es trotzdem. Apokalypse ist für ihn überall: Reality Shows, Seifenopern, Mode, Musik, Internet, der Käsebrot kauende Gerichtsmediziner im Abendkrimi. Die Menschen würden heute unaufhaltsam mit all dem bombardiert, meint er. "Das hat überhandgenommen und wird immer exzessiver."

Der "Müll" verändere die Gesellschaft, philosophiert der Komiker. Durch übersteigerte Sicherheit, Verbote und eingeengte Entscheidungen werde der Mensch zur Marionette. "Ich habe keinen bestimmten Auftrag. Ich stelle mich nicht hin und sage, ich will die Welt verändern", sagt Schneider. Einen schönen Abend wolle er mit dem Publikum haben, die Leute zum Lachen bringen, "aber ich greife diese Sachen auf". Mal spielt er nur Musik, mal mischt er absurde Texte mit feinstem Jazz. "Musik in Verbindung mit fantastischen Erzählungen", nennt Schneider sein Konzept.

Komiker versteht seinen Job als Vater

Bisher war Schneider unter dem Titel seines neuesten Albums "I brake together" unterwegs. Nun hat er seiner Konzertreihe einen neuen Namen gegeben und das Programm verändert. Im Februar steht Schneider knapp drei Wochen am Stück im Berliner Admiralspalast auf der Bühne. Anschließend legt er eine viermonatige Pause ein und tourt ab Juli weiter.

Die freie Zeit wolle er für seine Kinder nutzen, erzählt Schneider und verfällt ins Plaudern. Zum Rasenmähen bleibe bei seinem Job noch genug Zeit, sagt er, auch zum Windeln wechseln. "Das kann ich in Windeseile", meint er. Schneider hat Übung. Im Oktober wurde er zum vierten Mal Vater. Fünf Kinder hat er insgesamt. Oft nehme er seinen Nachwuchs einfach zu Auftritten mit - bei anderen Berufen sei das nicht so einfach. «Ein Broker wird sein Kind wahrscheinlich eher nicht mitnehmen, weil sein Job zum Kotzen langweilig ist», meint Schneider. Falls bei ihm selbst mal Langeweile aufkommt, improvisiert er eben. (mit ddp)

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