Kultur : Träume in Papier

CHRISTIAN SCHRÖDER

Oh Täler weit, oh Höhen! Weißer Nebel hängt über den Berggipfeln, darunter aber strahlt die Sonne hinab auf saftgrüne Sommerwiesen.Malerischer Mischwald schiebt sich vor die Alpensilhouette, davor: ein schlichtes weißes Ferienhäuschen.Der Wiener Versicherungsbeamte Peter Fritz war zeit seines Lebens fasziniert von der Schönheit seiner Heimat.Bei den ausgedehnten Urlaubsreisen, die ihn mit Gattin und im VW Käfer durch Tirol, Salzkammergut und Burgenland, einmal sogar bis zum Münchner Oktoberfest führten, hat er Hunderte von Dias gemacht.Vor allem aber: Fritz baute die Welt, die er vorfand, im Kleinen nach.Aus Papier und Tapetenresten, Kartonstücken und Holzfunieren bastelte er Modellhäuser, die das Österreich der sechziger und siebziger Jahre en miniature abbilden: Hotels und Kirchen, Bürotürme und Fabriken.Nach seinem Tod - Fritz starb 1992 im Alter von 76 Jahren - wanderten die Papierhäuschen in den Laden eines Altwarenhändlers.Dort entdeckte sie der Künstler Oliver Croy und war sofort "begeistert von der Konsequenz und Kontinuität dieses Werks".Im Pavillon der Volksbühne zeigt Croy jetzt zum ersten Mal den kompletten Nachlaß des Versicherungsbeamten: 387 Papiermodelle und fast 1000 Dias.

Die "Peter Fritz Info Tage" führen in eine banale und anrührende Kleinbürgerwelt.Wuchernde Zimmerpflanzen in der Wohnung des Bastlers zeigen die Dias, sein Goldfischaquarium, mit Nippes überladene Regale, die in Reih und Glied stehenden Schreibtische in der Versicherung, feiernde Kollegen.Auf einigen Bildern taucht Fritz selber auf: ein unscheinbarer Mann mit Halbglatze und Hornbrille.Seine Bastelarbeit hielt Croy anfangs für "eher skurril", doch längst empfindet er "Respekt und Hochachtung" für dessen "kreativen Ausbruch"."Aus einfachsten Mitteln hat Fritz sich eine eigene Welt zusammengeklebt." Das macht diese Papierhäuser so liebenswert: Sie erzählen von den Träumen eines einfachen Mannes.

Die "Peter Fritz Info Tage" werden heute um 20 Uhr im Pavillon der Volksbühne eröffnet.Die Ausstellung ist bis zum 6.Dezember zu sehen, Do - So 16 bis 20 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar