Kultur : Trainingsjackenblues

Denise Dismer

Jung sind sie und müde, die Menschen, die in der Volksbühne dem Neujahrskonzert der Sterne lauschen. Ein Konzert, sagt Sänger und Gitarrist Frank Spilker, sollte man so beginnen, wie man sich fühlt und deshalb singt er: "Ich möchte mich in die Ecke verkriechen." Das Publikum wackelt ein bisschen mit den Köpfen, und die Diskokugel wirft rote und grüne Punkte an die Wand. Dann kündigt der Bassist "eine Hymne an euch" an. Die Sterne spielen "Big in Berlin", die Band erwacht aus ihrer Lethargie und ein paar Zuschauer erheben sich aus den gepolsterten Theatersesseln und beginnen zu tanzen. Doch das Gros der Gäste scheint dankbar, einer Band lauschen zu dürfen, die zwar in die Jahre gekommen, aber nicht erwachsen geworden ist. Die Songs des im März erscheinenden Albums sind ganz in altbewährter Sterne-Manier: Zwei gleichförmige, entrückte Stimmen singen: "Du hast die Welt in deiner Hand / Gib sie wieder her, ich brauche sie so sehr". Das Konzert lebt zwar von alten Hits, von "Universal Tellerwäscher", "Trrrmmer" und "Risikobiographie", einige Vorpremieren sorgen aber für eine ausgewogene Mischung aus neuen und alten Songs. Es gibt ein Sylvesterstück, eins für den Euro und plötzlich steht der Popchor Berlin auf der Bühne und singt mehrstimmig mit dem Textblatt in der Hand "Was hat dich bloß so ruiniert". Die Sterne stehen in der letzten Reihe, singen ein bisschen mit und trinken Bier. Dann präsentiert die Gruppe noch ein paar neue Songs, "weil umsonst seid ihr ja auch nicht gekommen". Die jungen Leute im Publikum sind nicht mehr müde sondern glücklich, sie tanzen in ihren Trainingsjacken und rufen "Ihr seid großartig".

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