Kultur : Transatlantische Träumereien

KLASSIK

Frederik Hanssen

Frank Dodge lässt sich durch nichts und niemanden aufhalten. Dass es der Amerikaner mit dem großen Herz für Deutschland geschafft hat, seit 1988 eine eigene, privat finanzierte Konzertreihe in Berlin aufrechtzuerhalten, grenzt fast an ein Wunder. Vor allem, weil seine spectrum concerts keinerlei Abstriche beim künstlerischen Niveau machen. Mit nie erlahmendem Engagement mobilisiert Dodge vorwiegend junge Interpreten und ein Kennerpublikum, sich auf exquisite Programme einzulassen. So wie am Mittwoch im Kammermusiksaal, wo zwei Werke von John Ireland (1879-1962) den Anfang machen. Wer den Komponisten als amerikanischen Gabriel Fauré apostrophiert, tut ihm wohl kein Unrecht – so sehr ist beispielsweise seine Fantasy-Sonata für Klarinette und Klavier (1943) von französischen Klangidealen des späten 19.Jahrhunderts geprägt.

Lars Wouters van den Oudenweijer gestaltet die verschlungenen, mal elegischen, mal wie eine Windboe aufbrausenden Melodienlinien hingebungsvoll und mit wunderbar vielfarbigem Klarinettenton. Pianist Daniel Blumental schafft dazu die rechte, naturnahe Atmosphäre, ebenso wie in Irlands Cello-Sonate (1923), die Christian Poltéra den Zuhörern mit Emphase und rhetorischer Überzeugungskraft ans Herz legt. In Brahms’ Trio a-Moll schließlich finden die drei exzellenten Kammermusiker im gemeinsamen Atem zu einer innigen Interpretation, die man schlicht vollendet nennen muss. Um es in transatlantischem Denglisch zu sagen: „Spectrum concerts – one of the finest Konzertadressen in town.“

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