Kultur : Trapezkünstler

Schreiben als Experiment: zum Tod von Luigi Malerba

Mit Nachnamen nannte er sich Unkraut. Luigi Malerba, am 11. November 1927 in Berceto bei Parma als Luigi Bonardi zur Welt gekommen, trennte sich von seinem Geburtsnamen, um seinen Anspruch auf „Verunordnung“ zu formulieren. Ab 1950 arbeitete er in Rom als Herausgeber der Kinozeitschrift „Sequenza“ und als Drehbuchautor, der vom neorealistischen Historienstück („Donne e soldati“) bis zum Gerichtsdrama („Allein gegen das Gesetz“ mit Terence Hill) viele Stile und Genres bediente. Malerba gehörte mit Eduardo Sanguineti und Umberto Eco zum Kreis des 1963 in Palermo gegründeten gruppo 63, jener Vereinigung, die ästhetisch dem italienischen Neorealismus die Gefolgschaft kündigte und Anschluss zum französischen nouveau roman und dem Strukturalismus suchte – und politisch mit dem Neomarxismus liebäugelte.

Schon Malerbas Erzähldebüt „Die Entdeckung des Alphabets“ (1963) rebellierte gegen das unerschütterliche System des Alphabets. Sein erster Roman „Die Schlange“ (1969) verwandelte Rom in einen Vorhöllenmoloch. Labyrinthisch wurde es mit „Salto Mortale“, ein Spiel mit den Konventionen des Kriminalromans. Vom experimentellen Autor wandelte Malerba sich indes zum ironischen Erzähler: Unter den zehn im Berliner Wagenbach Verlag erschienenen Büchern wurden die „Nachdenklichen Hühner“ (1984) zur Basis seines deutschen Ruhms. Ihn festigte er mit Romanen wie „Das griechische Feuer“ oder „Die nackten Masken“. Zuletzt erschienen die „Römischen Gespenster“ (2007). Am Donnerstag ist Malerba mit 80 Jahren in seiner Wohnung in Rom gestorben. dotz

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