Kultur : Traum und Tor Ungarn haut ihn rein: WM

der Schriftsteller in Berlin

Steffen Richter

Die Ansage war klar: den Ball laufen lassen und am Sechzehner abziehen. Egal wohin die Pille fliegt. Doch zum Sechzehner kommt sie selten, die deutsche Schriftsteller-Auswahl. Glücklicherweise sind ihre ungarischen Kollegen und Gegner kaum effektiver. So endet der Freundschaftskick, bei dem sich beide Mannschaften für die Autoren-Fußball-WM in Bremen einschießen wollten, mit einem 0:0 von Berlin-Mitte. Das ist weniger erhebend als das mythische 3:2 von Bern, aber besser als das 0:2, mit dem sich die Profis vor zwei Jahren in Kaiserslautern blamierten.

Überhaupt, gegen diese Ungarn ist ein Unentschieden ein Sieg! Schließlich haben sie gerade das österreichische Autoren-Team weggeputzt. Ihr Bester ist der Mann mit der 21, ein Verleger. Kein Wunder, plaudert Péter Esterházy, der frohgemut am Spielfeldrand kommentiert. Der habe schließlich mal mit seinem Bruder, dem Nationalspieler Marton Esterházy, in einer Jugendmannschaft gespielt. Trotzdem finden die Ungarn kein Mittel gegen die technisch nicht ganz so versierten Deutschen. Nicht der quirlige Péter Zilahy, der gelegentlich über eine ungarisch-jugoslawisch-kurdisch-vietnamesische Nationalmannschaft nachdenkt. Und auch nicht László Darvasi, der zumindest weiß, was „ein Mittelstürmer träumt“. Kommen sie doch mal durch, gibt es immer noch den famosen „Traumhüter“ Ronald Reng. Der empfiehlt sich nachdrücklich für einen Stammplatz im Kasten, den sonst Albert Ostermaier hütet.

Schon Mitte der ersten Halbzeit grummeln deutsche Einwechselspieler, man brauche jetzt ein Zufallstor. Aber es fällt nicht. Später kommt die einsame Sturmspitze, der Dramatiker Moritz Rinke, noch zweimal zum Kopfball. Nicht schlecht, aber nichts gegen den Flugkopfball („das schönste Tor meines Lebens“), mit dem er seine Leute im letzten Jahr gegen Italien ins Endspiel schoss. Immerhin, hinten steht die Null. Auch dank Jochen Schmidt („Müller haut uns raus“), der in der Abwehr beherzt-rustikal raushaut, was geht. Nach dem Schlusspfiff räumt er ein, dass „nach vorne nicht viel lief“. Dennoch, man könne Anfang Juni zuversichtlich ins Weserstadion fahren. Dann kommen noch die Italiener mit den auflagenstarken Alessandro Baricco und Carlo Lucarelli. Und hoffentlich fehlt bei den Skandinaviern diesmal der Kinderbuchautor und leider Ex-HSV-Profi Niclas Kindvall. „Hoffen wir“, orakelt Rinke, „dass wir im Finale auf die ausgezehrteste Mannschaft treffen.“ Vielleicht geht dann ja was. Es wäre das Wunder von Bremen.

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