Kultur : Traumfrauen, Powerfrauen

Silvia Hallensleben

kommt zur nächsten Lady-Lou-Party Den richtigen Rückblick haben sich die Organisatorinnen erst für 2009 vorgenommen, dann ist ein Vierteljahrhundert Lesbenfilmfestival voll. Nummer 20 in diesem Jahr soll ohne große retrospektive Anwandlungen passieren. Eine Frage des Aufwands – immer noch wird das Filmfest von ehrenamtlichen Aktivistinnen betrieben, wenn auch nicht mehr unter den politischen Ansprüchen früherer Jahre. Im Unterschied zum kommerziell ausgerichteten schwul-lesbischen „Verzaubert“, das durch die Republik tourt, setzt das LFF immer noch auf unabhängiges – und oft junges – Kino. Neben sinnigen Kurzspielfilmen und Dokumentationen gibt es dabei auch immer wieder Projektionsflächen zur Identifikation: So ist auch Sharon Ferrantis Eröffnungsfilm Make a Wish (am Dienstag im Arsenal) bei allem trashigen Outdoor-Splatter ein biederer Beziehungsfilm um eine Handvoll adretter Girls. Daneben steht in den folgenden Tagen auch Substanzreicheres wie lesbischer Militarismus und Transsexualität auf dem Programm. Zwei Tage vor der LFF-Eröffnung tritt ebenfalls im Arsenal eine Dame auf, die es – lange vor jeder Genderdebatte – geschafft hat, Weiblichkeit als Kunstprodukt, ja fast als Imitat auf der Leinwand zu inszenieren: Mae West. Kein Wunder, dass die Schwulen sie liebten, naheliegend, dass Lesben mit der Powerfrau wegen ihrer offenen Männerfixiertheit weniger anfangen konnten. Eine kleine Reihe zeigt sechs Glanzstücke aus dem Schaffen der Komödiantin. Den Anfang macht am Sonntag She Done Him Wrong (Regie: Lowell Sherman 1933), der damals auch in Europa so gut einschlug, dass Lady-Lou-Partys in Paris zum Saisonrenner wurden. Das wär’ doch was – fürs nächste Revival.

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