Kultur : Traumgalerien

Dellbrügge & de Moll in der Galerie Olaf Stüber

Peter Herbstreuth

Vor kurzem vergab eine Münchner Zeitung „den Adorno des Monats“. Preiswürdig sind jene, die simple Sachverhalte umständlich und kompliziert darzustellen vermögen. Im Kunstmetier gebührt der Preis eindeutig den Berliner Künstlern Dellbrügge & de Moll. Sie starteten ein Dreistufenprojekt „Die Galerie, die ich mir erträume. . .“ im letzten Sommer parallel zum Architekturkongress in der Galerie Olaf Stüber. Mit Bauklötzen und Legosteinen sollten Besucher Modelle ihrer „Traumgalerie“ bauen. Die Künstler fotografierten die Entwerfer und wählten aus achtzig Modellen eines aus, das sie im Arm des Galeristen in der Manier von „Stifterporträts“ in Szene setzten. Es hing dann im Herbst beim Berliner Art Forum mit signalrotem Hintergrund an der Kojen-Wand.

Dabei hegte der Galerist weder Absichten, eine Galerie zu bauen, noch zu stiften. Er spielte ein Spiel ohne Grund und Boden und vertraute generös darauf, dass die Künstler ein Luftschloss errichten würden. Vor dem „Stifterporträt“ waren kleine Leinwände gestapelt, die die Modellbauer in der Galerie zeigten. „Wir haben nichts verkauft“, sagte der Galerist nach der Messe. „Irgendwie dachten die Leute, das sei gar keine Kunst, sondern nur zum Anschauen.“ Jetzt hängen diese Leinwände an der Wand (1800 Euro), und auf neuen Aquarellen sieht man, wie sie auf der Messe gesichtet werden (1200 Euro). Prinzip: Babuschka.

Aus den Modellen sind Bilder von Bildern geworden. Dabei nutzten Dellbrügge & de Moll das Medium Malerei nur, um Fotos zu Unikaten zu veredeln und sie mal als Stapelware, mal als Exponat zu präsentieren. Alles dreht sich um die Verwertung des Mitmach-Angebots in drei Ausstellungen. Aber gedankliches Fundament gewann das Luftschloss nicht, obwohl der Titel zu Rémy Zauggs berühmter Studie „Das Kunstmuseum, das ich mir erträume“ eine Beziehung herstellt. Zurück blieb der emsige Galerist, der die Story der Bilder als selbstbezügliches Modell erzählt und den Sinn stiften muss, der nach gutem Start den selbstverliebt auf der Stelle tretenden Konzept-Künstlern abhanden kam.

Galerie Olaf Stüber, Max Beer Straße 25; bis 25. April, Dienstag bis Sonnabend 13–18 Uhr.

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