Traumjob Kurator : Stell die Verbindung her

14.07.2011 23:16 UhrVon Kolja Reichert

Früher wollten junge Leute DJ werden. Der Trendjob heute: Kurator. Über eine zentrale Figur des Kulturbetriebs.

In den Neunzigern traten auch Künstler zunehmend als Kuratoren in Erscheinung - wo alles bereits voll steht mit Dingen, ersetzt das Arrangieren das Produzieren. Wie der Berater in der Wirtschaft ist der Kurator eine Figur der Wissensgesellschaft: Er dockt an, wo schon produziert wird, sammelt Wissen, stellt es zusammen – und verkauft es weiter. Positiv gesprochen, in Beatrice von Bismarcks Worten: „Kuratieren bedeutet ein Zusammenbringen von Dingen, Menschen, Räumen und Diskursen, die vorher nicht verbunden waren.“

Wurde früher den Schriftstellern und Künstlern zugemutet, die Schwingungen des Neuen zu erspüren, sind es heute die Kuratoren, die sich mit ihren Themen und Thesen vor die Künstler stellen. Sie machen nicht nur Atelierbesuche und lesen die neueste politische Theorie, sie verhandeln auch mit Politikern und Sponsoren über Räume und Gelder, und sie empfehlen Künstler an Sammler und Galeristen. Dabei ähneln sie Künstlern darin, dass man fasziniert ist, wenn man ihnen lauscht, aber hinterher nicht schlauer als zuvor. Es geht in der Ökonomie der Positionen nicht um Festlegungen, sondern um Ermöglichungen. Auch die Kritik der Macht des eigenen Gewerbes kann die Macht steigern.

Kuratoren verbinden die Autorität des Künstlers mit der des Wissenschaftlers, ihre Souveränität hat etwas Technokratisches, und das erzeugt unter Künstlern ähnliche Ängste wie der Auftritt des Anästhesisten beim Patienten auf dem Operationstisch. Auf e-flux, dem Online-Nachrichtendienst des Kunstbetriebs, entwarf der Künstler Anton Vidokle im vergangenen Jahr das Schreckbild einer gezähmten künstlerischen Produktion von Lohnarbeitern, die nur noch die Inhalte für kuratorische Ideen liefern. Das Bild der kunstindustriellen Reservearmee lässt sich allerdings auch auf Kuratoren anwenden, deren Recherchearbeit sich eher selten in Geld auszahlt Es entspann sich eine vielstimmige Debatte, in der auch Kuratoren wie Beatrice von Bismarck glänzten.

Überhaupt wird heute mehr geredet als früher, beobachtet Frank Wagner, der bis heute das Realismusstudio der NGBK leitet, ein Ruhepol in der allgemeinen Beschleunigung. Diese kann dann auch dazu führen, dass sich Wagner etwa in einem Atelier in Brooklyn wiederfindet, wo ihm die Künstlerin gleich einen ganzen „Diskurs-Rap“ hinlegt, ihre Referenzen aufzeigt und Foucault und Agamben zitiert. Da wird dann sogar ein Kurator nervös.

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