Kultur : Traumlandschaften

Malediva lädt zum Heimatabend in die Bar jeder Vernunft

Ulrich Amling

Heimat, das ist etwas, woran sogar Dörfer verzweifeln können. Dann sehnen sie Schuhe mit hohen Absätzen herbei, um fortzugehen. Aber haben Sie schon mal von einem Dorf gehört, das ungeschoren einfach so davongestöckelt wäre? „Heimatmelodie“ nennt Malediva sein neues Programm in der Bar jeder Vernunft . Wieder einmal dringt das Duo Tetta Müller und Lo Malinke zu den Wurzeln seiner provinziellen Herkunft vor und entrollt mit skurrilen Erinnerungen ans nordhessische Bergland lustvoll das Panorama einer deutschen Traumalandschaft. Die Gesichter der Eltern wirken darin so aufgedunsen wie durch Glasbausteine betrachtet. Da lacht man lieber nicht. Vorsicht ist auch beim schielenden Bumsi Schröder geboten, der nicht mehr so ganz sicher im Umgang mit seinem Bolzenschussgerät ist.

Die Silhouetten der Malediven schimmern androgyn, hier etwas mondäner, dort etwas kuhäugiger. Fein ausbalanciert entzündet sich ihr Spiel an der Spannung zwischen Schweinestall und Lidstrich, schlägt Funken aus dem, was an Dörfischem an der Großstadt-Diva kleben geblieben ist. Ein schaurig-trauriger Abend, eine sternklare Nacht, ein Fest (bis 9. Mai)!

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