Kultur : Traumtiergarten

Pepe Planitzers Debütfilm „Ein Schiff wird kommen“

Kerstin Decker

Ein DDR–Märchen, das kein Märchen ist. Eine Bitterkeit, die keine ist. Drei Verlorene, die nicht verloren sind. Gerettet am Schluss in einem Container. Todesbehälter, wie wir wissen. Wissen wir es denn? Warum vor der Wirklichkeit den Hut ziehen, wenn die Fantasie stärker ist? Pepe Planitzer hat seinen ersten Film gemacht, nach einem eigenen Buch. Was, wenn eben die Fantasie hier die Falle wäre? Jeder, der träumt, weiß, dass die Wirklichkeit das Letzte ist, wovor man Angst haben muss. Jeder kennt es: in Traumlandschaften wirken völlig groteske Personen und Handlungen, als gäbe es nichts Normaleres. Und der Träumer denkt, während er die Außenwand eines Hauses hinaufläuft: Warum habe ich das nicht schon früher gemacht?

Etwas von dieser Logik muss Planitzer im Sinn gehabt haben. Da ist Bruno, ein ziemlich alter, ziemlich enttäuschter Arbeitsloser (Karl Kranzkowski), und plötzlich ist dieses große weiße Pferd bei ihm. Kein Träumender würde fragen, warum ein Großstadtmensch ein Pferd hat. Und warum es nicht in einem Wohnzimmer hinterm Sofa stehen kann. Aber im Kino träumen wir nicht, wir sind hellwach und finden Pferde hinter Sofas nicht per se einleuchtend. Auch nicht alte Eltern, die hinter den sieben Bergen wohnen und der Meinung sind, aus ihrem längst nicht mehr jungen Sohn müsse nun endlich was werden. In der neuen Zeit. Warum ihm keine Frau kaufen? Eigentlich ist es ja genau das, was wir im Kino suchen: Nicht träumend, sondern hellwach in andere Wirklichkeiten versetzt zu werden. Doch hier reiht sich Bild an Bild eben nicht wie im Traum mühelos aneinander. Auch nicht die Geschichte von der jungen blonden Menschenhändlerin und dem kleinen asiatischen Jungen, die sich dem Pferdemann Bruno still verbinden. (Kino in der Kulturbrauerei)

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