Kultur : Traumzeitwesen - eine Lichthof-Installation

Volker Straebel

Ursula Weck ist eine erfahrene Rundfunk-Frau, die sich seit den achtziger Jahren als Regisseurin und Autorin mit Hörspielen und Features beschäftigt. Von einem einjährigen Aufenthalt in Australien brachte sie 1997 Unmengen Tonmaterial zurück - und ein gewachsenes Verständnis der Aborigines-Kultur. Beides verbindet sie in ihrer Installation "Soundlines" im Lichthof des SFB. Auf einem dunkelgrauen Bodenbelag finden sich mit weißer Farbe Teile von George Wards "Tingari-Dreaming" übertragen, einem für Zentralaustralien typischen, aus getupften Punkten gebildeten geometrischen Dot-Painting. Acht konzentrisch ausgefüllte Kreise, die in der Tradition der Aboriginals für Kraft- oder Ur-Orte stehen, sind mit Songlines untereinander verknüpft, Linien, auf denen die Ahnen als "Traumzeitwesen" wanderten und singend die Welt erschufen. Diese Wanderschaft nachzuvollziehen, ist der Ausstellungsbesucher aufgerufen, wenn er auf dem Bild umhergeht und zwischen den Schallfeldern über den Kreisen aufgehängter Richtlautsprecher hin- und herwechselt. Was aus diesen tönt sind kaum je die Soundscapes klingender Natur: es sind Hörbilder der australischen Kulturlandschaft mit erzählten Geschichten, von Trommeln begleiteten Gesängen, Kinderchören, ins Deutsche übertragenen Mythen. Akustische Mosaiksteine in leider relativ kurzen Schleifen, die sich einzig semantisch zu einem Ganzen fügen. Das nämlich unterscheidet diese Arbeit von Laurie Andersons Installation "Whirlwind" von 1996, auf die Ursula Weck in ihrem Einleitungstext Bezug nimmt. Die "Soundlines" bleiben in ihrer Anlage zu sehr dem Medium Radio verhaftet, dem sie entstammen. So sind Ursula Wecks "Soundlines" eher ein Nebenweg ihres aktuellen Hörspielprojekts denn große Kunst. Aber die ist ohnehin selten.Haus d. Rundfunks: bis 14. 4. , tgl. 10 - 17 Uhr

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