Kultur : Traut den Männern nicht zu viel

Akademie für Alte Musik mit „Ludovicus Pius“

Christiane Tewinkel

Posse und Politik, Liebe und Bauernschläue – die Eröffnung der Biennale Alter Musik gerät zu einem glücklichen Abend. Obwohl man sich im Berliner Konzerthaus an einem hakigen Genre versucht, der konzertanten Aufführung von Georg Caspar Schürmanns deutscher Oper „Ludovicus Pius“ von 1726, einem Bühnenstück, auf dem zwar „deutsch“ steht, das aber reichlich italienisches Flair hat. Rezitative, Arien, Tanzeinschübe – fast bachisch oder händelsch klingt Schürmann, gäbe es nicht immer wieder leicht unorganische Phrasen, ein winziges Verzetteln bei der Einfügung von Wörtern in den musikalischen Satzbau. Und trotzdem: eine leichte, hübsche, wohlgeformte Musik.

Aus dem frommen Ludwig, Sohn Karls des Großen und Herrscher über das riesige Frankenreich, wird hier ein satt-royaler, leicht liebesblöder Kaiser, der nicht versteht, dass die von ihm verehrte Judith nicht ihn liebt und auch nicht seine Söhne Lotharius oder Pepinus, sondern einzig seinen Jüngsten, Claudius.

Die Akademie für Alte Musik unter Attilio Cremonesi, duftig, glitzernd und allezeit aufmerksam begleitend, macht aus diesem „Ludovicus Pius“ einen Spieleabend für acht Solisten, die mit den Konversationsbällen jonglieren und sich ansonsten am hanebüchenen Geschehen erfreuen. Denn zu dieser eleganten U-Musik des frühen 18. Jahrhunderts, seinerzeit geschrieben für den Braunschweiger Hof, gehören Maskeraden und Gifttränke, Palastrevolutionen und große Entschuldigungsszenen.

Und natürlich etwas Küchenweisheit als wohl deutlichster Einschlag des Deutsch-Mundartlichen: „Nehmt euch wohl in Acht, Ihr Schönen,“ raunt der fabelhaft komödiantische Kai-Uwe Fahnert als Diener Lisbus dem Publikum zu, „traut den Männern nicht zu viel.“ Da wird gelacht im Großen Saal des Konzerthauses, in die Mikrofone des Deutschland-Radio Kultur hinein, das die Veranstaltung live überträgt.

Annette Dasch brilliert als Judith, mit einem übergelenkigen, in den Spitzentönen strahlend hellen Sopran, Sophie Karthäuser gibt ihre Base Elisabeth. Judiths Vater Welfus ist eine der hervorragend besetzten Nebenpartien des Abends; Andreas Wolf singt ihn mit kultiviert-warmem Bass. Reuben Willcox als Ludovicus, der es nicht fassen kann, lässt seinem mächtigen Bariton ungezügelt Raum und erlaubt sich immer wieder fast ungeschlachte Liegetöne. Unter den drei Söhnen sticht neben Ruth Sandhoff und Jochen Kupfer Matthew Beale mit einem edelstählernen Tenor hervor.

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