Treffen junger Autoren : Deutschland sucht den Superschreiber

Eine Lesung aus dem eigenen Werk im Haus der Berliner Festspiele: Das war der Hauptgewinn für 20 deutsche Nachwuchsschriftsteller, die aus über 650 Bewerbungen für das "Treffen junger Autoren" ausgewählt wurden.

Jakob Wais

Zum 25-jährigen Jubiläum des Literaturwettbewerbs, an dem Jugendliche zwischen elf und 21 Jahren teilnehmen können, waren sie nach Berlin eingeladen worden. In der Jury saßen literarische Newcomer wie Katharina Bauer und Kirsten Fuchs, entsprechend groß waren die Erwartungen, die Seitenbühne war berstend voll. Tja – was war los?

Auf neue Impulse und kreative Ansätze wartete man vergebens. Rund die Hälfte der Gewinner hatte Prosatexte eingereicht, hier gab es mit Rick Reuther nur einen kurzen Lichtblick. Der 17-Jährige singt der „großen Hure Ana Pink“ ein mitreißend theatralisches Totenlied und weckt das Publikum aus der wohlwollenden Denkstarre. Erstaunlich wenig Jungen hatten im Vorfeld Texte eingereicht, insgesamt nur 129. Dafür waren sie mit sieben Gewinnern überproportional stark vertreten.

Ihre Themen sind die gleichen wie die der Mädchen: Liebe, Nähe und Geborgenheit – NEON-konservative Romantik als Gefühlskonzept. So gut wie allen Texten mangelt es an Kante, sie sind unpolitisch, vermeiden Haltungen und Aussagen, warten stattdessen mit einer Biederkeit auf, die man eher in den fünfziger Jahren vermuten würde. Wirklich dramatisch wird es nur in der Pause. Hinter vorgehaltener Hand geht es unter den jungen Autoren zu wie im Finale von „Deutschland sucht den Superstar“: Es wird gelästert, gezickt und heimlich geknutscht. Nach der Unterbrechung wurde dann Janine Rosemann mit dem Stipendium des Vereins Interplay Europe ausgezeichnet. Gerne hätte man eine Textprobe der Studentin aus Essen gehört, doch diese war im ansonsten großzügig bemessenen Ablauf leider nicht vorgesehen.

So ist es nicht gelungen, ein spannendes Programm zusammenzustellen. Auch hätte man über die einzelnen Autoren gerne mehr erfahren als ihren Namen und den ihrer Heimatstadt. Gegen Ende dann doch der ersehnte Axolotl-Overkill: Yevgeniy Breyger gelingt mit seinem Text voller Drogenrausch, Urin und abstruser Gespräche tatsächlich noch einer der originellsten Auftritte. Dem anschließend einsetzenden Fluchtreflex kommt ein Lockenkopf mit Brille zuvor. Sebastian Meineck erzählt von einer Krabbe. Er beschreibt ihren abrupten Tod und das dann einsetzende langsamen Absinken zum Meeresgrund. Es ist die einzige unterhaltsame Geschichte des Abends.

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