Kultur : Tresen-Thesen

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ALL THAT JAZZ

Christian Broecking über

eine Revolution aus dem CoffeeShop

Für den Bassisten und Keyboarder Alan Silva begann alles mit der sogenannten Oktoberrevolution im Jazz, die 1964 in New York stattfand. Damals ging es um die Positionierung des Musikers als Künstler. New York war das Zentrum der Maler, Musiker und Literaten. Und wer nicht wie der 1939 geborene Silva schon in New York lebte, musste dahin ziehen, wenn er etwas von der Energie mitbekommen wollte, die es nur dort gab. Bill Dixon und Cecil Taylor wurden Silvas Weggefährten. Es kam vor, dass sie ein ganzes Jahr probten, um ein einziges Konzert zu geben. Das war die Zeit, als sie ihre Musik nur in Coffee-Shops aufführen konnten, während die Clubs Dizzy Gillespie, Thelonious Monk und Sonny Rollins buchten. Der Trompeter Bill Dixon kannte damals einen Mann, der ein Kaffeehaus in der 91. Straße besaß, das Cellar Café, für ihn sollte er dort eine kleine Konzertreihe organisieren. Auf die improvisierte Bühne stellte er dann junge Typen wie Silva und andere Freunde, die New Music machten. Silva, Taylor und Dixon wollten die totale Kontrolle über ihre Musik: „You gotta create it yourself!“

Auch heute gibt es immer wieder kleine Plattenfirmen, die diese Musik aufnehmen und vertreiben. Einer der aktivsten Musiker in dieser Hinsicht ist William Parker, der heute von Silva als „führender Bassist der Nach-Vietnam-Ära“ gefeiert wird. Von Parker sind gerade die sehr inspirierende Trio-CD „Eloping With The Sun“ in einer limitierten Auflage von 2000 Stück (Riti CD 007), und das Album „A hero´s welcome“ (eremite records 017) erschienen, das 1999 als eine der besten Platten des Jahres ausgezeichnet wurde. Wie unermüdlich und hungrig diese Szene immer noch ist, kann man in dieser Woche bei zwei Konzerthighlights im b-flat hören: Das The Tradition Trio mit Alan Silva, Johannes Bauer und Roger Turner spielt am Dienstag, das Schlippenbach Trio mit Evan Parker und Paul Lovens folgt am Mittwoch (jeweils 21 Uhr).

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