TriBeCa-Festival : New York für zwölf Tage Mekka der Filmwelt

Mit der Trauer nach dem Anschlag vom 11. September 2001 fing es an. Fünf Jahre später hat sich das TriBeCa-Filmfestival den Ruf eines Politfilmforums mit Weltrang erworben.

New York - Star-Schauspieler Robert De Niro hatte das Event im Süden Manhattans mit seiner Produktionspartnerin Jane Rosenthal 2002 initiiert, um dem durch 9/11 stark angeschlagenen Stadtviertel wirtschaftlich wieder auf die Beine zu helfen. 268 Spiel-, Dokumentar- und Kurzstreifen aus 41 Ländern stellen die Veranstalter in den kommenden zwölf Tagen in New York vor. 75 Produktionen werden uraufgeführt. TriBeCa sei zwar noch nicht Cannes, gibt Festival-Direktor Peter Scarlet zu. Aber Sundance, das schon vor 22 Jahre gegründete Indie-Festival in den Bergen von Park City (Utah), sei von New York längst "abgehängt" worden.

Beliebt ist das Festival bei Filmverleihern, Kritikern und dem Publikum aus aller Welt auch wegen seines New Yorker Flairs. So genannte "Drive-In"-Vorführungen inmitten Manhattans nächtlichem Lichtermeer, jede Menge Feten mit Hollywoodprominenz, Ausstellungen anwesender junger Künstler sowie ein Familienfest für große und kleine Filmfans machen TriBeCa bis zum 6. Mai zur Attraktion für fast Jedermann.

Deutschland liegt mit acht Beiträgen sehr gut beim diesjährigen Rennen. Das Frauen-Power-Movie "Vivere" von Angelina Maccarone mit Hannelore Elsner und Esther Zimmering hat sogar Aussicht auf den Titel Bester Spielfilm. Allerdings muss es sich im Wettbewerb um den Hauptpreis gegen starke Konkurrenz behaupten: Die französische Produktion "Lady Chatterley" von Pascal Ferran gewann bereits fünf César-Preise. Mit Spannung wird auch der von Leonardo DiCaprio produzierte Spielfilm "Gardener of Eden" erwartet. Er erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der durch Zufall einen gesuchten Sexualtäter fängt und so jäh aus seinem geordneten Alltag gerissen wird.

Eröffnet wird das sechste TriBeCa-Festival in der Nacht zum Donnerstag von Al Gore, Amerikas Ex-Vizepräsidenten und namhaftem Kämpfer für den Klimaschutz. Gore präsentiert bei einer Gala im Süden Manhattans sieben Filme zur Globalen Erwärmung. Die brisanten Beiträge stammen unter anderem von Kevin MacDonald ("Der letzte König von Schottland") und dem Zeichentrickstudio Ardman Animation ("Wallace and Gromit").

Dokumentarfilm über US-Soldaten im Irak

Furore dürfte die Dokumentation "I am an American Soldier: One Year in Iraq With the 101st Airborne" machen. Der Film von John Laurence folgt einer Elite-Einheit von den USA nach Samara und Sadr City und zeigt den Wandel der zunächst ganz sympathischen Soldaten durch die offizielle Erlaubnis ihrer Vorgesetzten, notfalls auch unschuldige Zivilisten töten zu dürfen. Der Film "Taxi to the Dark Side" von Alex Gibney nimmt die Verhörmethoden der Amerikaner vor allem in Abu Ghreib unter die Lupe und die jahrzehntelangen Experimente des Geheimdienstes CIA mit besonders hartnäckigen Gefangenen.

Beth Murphy dokumentiert in "Beyond Belief" den Beschluss von zwei Witwen des 11. Septembers, Frauen in Afghanistan zu helfen, die ebenfalls ihren Mann verloren haben. Antonio Negrets "Towards Darkness" ist die Geschichte einer brutalen Entführung in Kolumbien. Shane Meadows "This Is England" handelt von einem elfjährigen Waisenjungen, der von einer Gang rassistischer Skinheads adoptiert wird. "Half Moon" erzählt von einem kurdischen Musiker, der einer iranischen Sängerin zum Auftritt im Irak zu verhelfen versucht.

US-Premiere von "Spider-Man 3"

Als weiterer Höhepunkt steht die US-Premiere von "Spider-Man 3", der bisher angeblich teuersten Produktion in der Geschichte des Films, auf dem TriBeCa-Programm. Paolo Cherchi Usais 74-minütiger Stummfilm "Passio" wird - musikalisch untermalt von Arvo Pärts Oratorium (1982) - in der Harlemer Kathedrale St. John the Divine aufgeführt. Das Festival endet sozusagen mit einem Paukenschlag, der Weltpremiere von Antonio Ferreras und Albert Maysles Dokumentation über "The Gates", die bewegende Installation safranfarbener Seidentücher im New Yorker Central Park von Christo und Jeanne-Claude im Jahr 2005. (Von Gisela Ostwald, dpa)

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