Kultur : Trink den Döner

COMEDY

Jörg Königsdorf

Das Tal der verdorrten Pointen ist durchschritten: In ihren letzten Produktionen waren die Teufelsberger, Berlins durchgedrehteste Off-Comedytruppe, zusehends in selbstreferenziellem Wortwitz erstarrt, der Skurrilitätenvorrat von Berlins Proll-Paradies Neukölln schien erschöpft. Doch jetzt sind Ades Zabel und seine Getreuen wieder da: Ohne das drückende Teufelsberger-Etikett und mit leichten personellen Umbesetzungen, dafür aber alberner denn je. „Edith Schröder Superstar“ im BKA am Mehringdamm (bis 11. 1.04) zeigt aber auch, dass der Anarcho-Humor von einst jetzt in geregeltere Bahnen gelenkt wird.

Die Story um den märchenhaften Aufstieg der Neuköllner Hausfrau zur Schlagerprinzessin wird erstaunlich artig erzählt – als hätte Zabel nicht nur Tanz- und Gesangsunterricht genommen, sondern auch einen Dramaturgiekurs in Peter Lunds Neuköllner Opernschule absolviert. Doch zum Glück spielt die Handlung bei diesem „Hauptstadtmusical“ nur eine Nebenrolle - ebenso wie die eigens komponierten, recht hübschen Tanz- und Gesangseinlagen: Am besten sind Zabel und seine Mitstreiter Bob Schneider (wie immer als beste Freundin Jutta) und Szenestar Biggy van Blond, wenn sie auf dem Sofa sitzen, über den Gang der Welt schwadronieren und mit Todesverachtung ihren aus Dönerresten, Joghurt und Bier gebrauten „Energy-Drink“ hinunterkippen. Und wer sie kennt, weiß ohnehin, dass diese Premiere nur ein Versprechen ist und dass die sorgfältig zurechtgelegten Handlungsstränge bald vom begnadeten Improvisationstalent der Teufelsberger zugewuchert werden. Und dass natürlich die letzte Vorstellung die allerbeste sein wird. Doch so lange will sicher keiner warten.

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