Kultur : Trio bravo

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Rüdiger Schaper sucht die

„Kunst“ auf dem Boulevard

„Mein Freund Serge hat sich ein Bild gekauft ...“ Eine der schönsten Boulevardkomödien, die einem auf Anhieb einfallen, beginnt mit diesem scheinbar harmlosen Satz. Es ist die Geschichte von drei Freunden, die sich kreuzweise heftiger, anrührender und komischer in die Haare kriegen, als es einem Ehepaar je gelang, auf der Bühne wie im Leben. Vollkommen weiß ist jenes Bild der Begierde, die reinste Abstraktion, 300000 Francs hat der Mann für die „weiße Scheiße“ bezahlt, wie sich einer von Serges Kontrahenten im Eifer des Gefechts echauffiert. Man weiß ja nie, woran uralte Männerfreundschaften eines schönen Abends plötzlich zerbrechen: ein vergessener Geburtstag, die falsche Frau, die man geheiratet hat, oder die Karriere, die man – nicht – macht ...

Boulevardkomödie? Das sagt sich so leicht. Aber gibt’s die überhaupt noch? „Es ist besser, sich unter seinem Niveau zu amüsieren, als sich über Niveau zu langweilen“, meinte die berühmte New Yorker Filmkritikerin Pauline Kael – da denkt man gleich an einen Dialog aus Tschechows „Möwe“, als der ewige Student behauptet, er stehe „über der Liebe“, und die elegante Dame antwortet, „ach, und dann stehe ich wohl unter der Liebe“. Denn so ist das mit dem Boulevard. Irgendwie geht es mit dem Niveau und dem Amüsieren immer entsetzlich drunter und drüber, und richtig froh wird man dabei nie. Weil im Theater ja der alte lateinische Qualspruch gilt: ars longa, vita brevis. Kurz ist das Leben, ewig die Kunst.

In Wahrheit hätten wir’s doch lieber umgekehrt: so wie in Yasmina Rezas „Kunst“. In Berlin läuft der Welterfolg jetzt wieder, in Felix Praders unverwüstlicher Inszenierung mit dem Trio bravo Udo Samel, Peter Simonischek und Gerd Wameling. Morgen Abend zum 300. Mal! Ursprünglich ein von Puristen beargwöhnter SchaubühnenHit, von wegen dem Niveau, am Renaissance-Theater, wo die „Kunst“ eine neue Heimat fand, längst ein heimlicher Bestseller. Serges weißer Alptraum – eine Anschaffung fürs Leben.

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