Kultur : Trip Hop: Rückblick: Licht aus!

Ulf Lippitz

Tricky und Licht. Diese Kombination ist so unwahrscheinlich wie Ricky Martin und Punk. Der britische Soundtüftler hüllt sich in ein spärliches Blau - oder versteckt sich ganz im Dunkeln. Wie zu Beginn. Die Zuschauer im Casino erahnen nur, dass der einstige Massive-Attack-Mitstreiter irgendwo dort oben mit von der Partie ist. Sie hören ein ansteigendes Röcheln, daraus formen sich Sätze oder Schreie. "Is that a question?", wiederholt Tricky wie ein Mantra. Darunter spielt die Band einen harten Metal-Sound: Rage Against The Machine plus eine Prise Funk. Klingt, als würden zwei Stahlwerke zusammenkrachen. Immer und immer wieder. Links auf der Bühne bewegt sich ein Schatten manisch hin und her. Wirft wild den Kopf von der einen zur anderen Seite. Schleudertrauma vorprogrammiert. Der Jo-Jo-Kopf entpuppt sich als Tricky. Fahles Licht fällt auf ihn. Gerade so viel, um einen Irokesen-Schnitt und einen freien Oberkörper zu erkennen. Meist zeigt Tricky sich von der Seite oder dreht den Fans seinen Rücken zu. Dann spielt er an einem Keyboard herum, entlockt ihm seltsame Sound-Collagen und jagt den letzten Rest von Harmonie aus der Halle. Nach drei Songs - oder besser: genuschelt bis gebrülltem Hardcore-Tracks - entscheidet es sich. Bricht der Meister der Dissonanz das Konzert ab? Heute hat er gute Laune. Er bleibt. "Black Steel" - der bisher größte Hit vom ersten, noch ganz dem Trip-Hop angehörenden Album ertönt. Ein Quantensprung in Qualität. Hier stimmen Form und Inhalt. Tricky hypnotisiert mit technoiden Sounds und stimmigen Gitarren-Riffs. Danach wieder ab in die Untiefen paranoider Klang-Gewitter. Plötzlich: gleißendes Licht. Mitten ins Publikum. Beruhigend. Wenigstens Tricky sieht etwas von diesem Konzert.

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